Oliver Tanzer

LUKAS BECK

Oliver Tanzer über die Schöpfungsgeschichte

"Diesseits von Eden / Schöpfungstag/zeit". Oliver Tanzer, Autor, Journalist und Leiter des Wirtschaftsressorts der Wochenzeitung "Die Furche", versucht in seinen Gedanken über die Genesis einen Brückenschlag zwischen biblischer und moderner Welt

Der Mensch neigt von Natur aus zur eingeschränkten Wahrnehmung. Auf innovativ sein wollenden Tagungen wird dazu gerne jenes Video bemüht, auf dem Menschen einander einen Ball zuwerfen.

Die Zuseher werden dann aufgefordert, die Würfe zu zählen. Und während sie dies tun, läuft eine Person mit Affenmaske durch das Bild. Auf die Frage, was sie denn gesehen haben, zeigt sich, dass der Affe vielen Zusehern gar nicht aufgefallen ist. Man sieht also, worauf man sich konzentriert, das sieht man. Worauf man sich nicht konzentriert, das sieht man nicht. Ganz ohne Affenzirkus hat das vor 100 Jahren schon Albert Einstein für die Wissenschaft gesehen, als er meinte: "Erst die Theorie entscheidet darüber, was man beobachtet".

Und warum ich das hier ausbreite? Weil es mit den großen Erzählungen genau so geht. Das jeweils herrschende Gesellschaftssystem pickt sich gerne heraus, was es möchte. Die Geschichte von Adam und Eva aus der Genesis haben männliche Interpreten als Begründung benutzt, die Frau zu entwerten, als sündhaft zu demütigen und von den Strukturen der Macht fernzuhalten. Auch das Verhältnis zur Schöpfung selbst ist dominiert von dem Satz "Macht euch die Erde untertan, beherrscht sie".

Dagegen wurde anderes vollkommen ausgeblendet. Etwa die Feigheit und Verlogenheit des Mannes vor Gott nach dem Sündenfall, oder dass der Mensch den Garten hüten und bebauen soll. Am aktuellsten aber wäre wohl das nachhaltigste Ernährungsgebot in der Genesis: "Ich habe euch allerlei Kraut und Bäume gegeben, um euch zu ernähren." Von Fleisch steht da nichts geschrieben und von Massentierhaltung noch weniger. Man könnte an dieser Stelle jene Berechnungen anführen, dass der Fleischkonsum allein für 14,5 Prozent der Treibhausgasemmissionen verantwortlich ist. Das ist mehr als der Verkehr verursacht. Gesehen wird das - wie soll man sagen - gesehen wird das lieber nicht. Und so steigt der Verbrauch, statt zu sinken. Ein Paradoxon, würde Einstein wohl sagen und einen Theoriewechsel vorschlagen zur besseren Einsicht.

Service

Tomas Sedlacek, Oliver Tanzer, "Lilith und die Dämonen des Kapitals. Die Ökonomie auf Freuds Couch", Carl Hanser Verlag
Oliver Tanzer, "Animal Spirits. Wie und Fledermäuse, Pantoffeltierchen und Bonobos aus der Krise helfen", Verlag Molden

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Sendereihe

Gestaltung

Übersicht

Playlist

Komponist/Komponistin: David Tyson
Komponist/Komponistin: Dean McTaggart
Album: AMANDA MARSHALL
Titel: Last exit to Eden
Solist/Solistin: Amanda Marshall /Gesang m.Begl.
Länge: 05:23 min
Label: Epic EPC 4837912

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