Hand

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Ingrid Pfeiffer über Hände

"Die Botschaften der Hände" von Ingrid Pfeiffer, Autorin und Germanistin

Bei einer Fortbildung kündigte uns der Seminarleiter an, dass wir zeichnen und malen würden. Wir Teilnehmende wollten das nicht und verbanden alle unsere rechten Hände. Als die Einladung zum Zeichnen kam, hoben wir sie, um zu zeigen: unmöglich! Der Seminarleiter schaute kurz in die Runde und sagte prompt: "Das machen Sie doch mit links!" Wir gaben nach, ergriffen unsere Stifte doch lieber mit der Rechten und führten mit diesem feingliedrigen, anatomisch kompliziert gebauten Organ aus, was uns aufgetragen wurde.

Unser heutiges Wort Hand kommt vom gotischen Wort für greifen und fangen, und es bezeichnet jenen verhältnismäßig keinen Teil des menschlichen Körpers, in dem sich circa ein Viertel aller seiner Knochen befindet.

Und trotzdem sind die Hände sehr viel mehr als Anatomie. Unser aller Einzigartigkeit drückt sich in ihnen aus. Und über die Fingerspitzen sind wir eindeutig zu identifizieren. In der menschlichen Hand kann man lesen - ganz ohne die Zukunft vorhersagende Handleserei zu betreiben. Nicht nur Medizinern wird von ihnen viel über das Ganze verraten. Das Außen und Innen der Hand ist vielfach begabt, auch bei Menschen, die nicht lernen mussten, eingeschränkte andere Sinne durch den Tastsinn zu ersetzen. In der Gebärendsprache werden die Hände schließlich sogar zu Übersetzerinnen. Sieht man dabei zu, wird einem klar: Hände sind zwar symmetrisch gebaut, aber sie sind kein identes Zwillingspaar.

Der vor allem kulturhistorisch bedingten Dominanz der rechten Hand möchte ich nicht ohne weiteres zustimmen. Nicht nur, weil häufiger als man glaubt, "mit links" zu tun ist, was man dachte nur mit rechts ausführen zu können. Das Geschwisterpaar Hände springt einander ergänzend und unterstützend bei.

Vielleicht hat Ernst Jandl schließlich doch recht: "Manche meinen, lechts und rinks kann man nicht velwechsern. Werch ein Illtum."

Service

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Philip Glass/geb.1937
Album: THE ESSENTIAL PHILIP GLASS
Titel: Dance 8 - aus dem Ballett "In the upper room"
Ausführende: The Philip Glass Ensemble & Guests
Länge: 04:58 min
Label: Sony SK 64133

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