Ultra-orthodoxe Juden während des Sukkots

AP/SEBASTIAN SCHEINER

David Weiss über Sukkot

"Bei Wind und Wetter". Gedanken über das jüdische Laubhüttenfest macht sich der Schriftsteller David Weiss

Fünf Tage nach dem Versöhnungstag, "am fünfzehnten Tage dieses siebenten Monats ist das Laubhüttenfest für den HERRN, sieben Tage lang". So bestimmt es das dritte Buch der Thora (Lev 23,34). Es wird bis heute von jüdischen Familien und ihren Freunden begangen. Heuer vom 2. bis zum 9. Oktober.

Der hebräische Name Sukkot leitet sich von der Mehrzahl des Wortes Sukka ab, das Laubhütte bedeutet, ursprünglich ein Wind- und Sonnenschirm für Feldarbeiter. Das Laubhüttenfest vollendet den Abschluss der Erntezeit. Sukkot ist eines der drei Wallfahrtsfeste des Judentums, die vor der Diaspora mit einem Aufstieg zum Tempel in Jerusalem begangen wurden. Im Wortsinn, weil von allen Bewohnern der Region in Pilgergruppen und zu Fuß.

Die fünf Bücher des Moses überliefern, wie sich jede und jeder an den Festtagen zu verhalten hat: Nach Ernte und Weinlese, d.h. nach getaner Arbeit, wird am ersten und achten Tag geruht. Sieben Festtage lang sollen alle fröhlich sein in der Gegenwart des Herrn. Sukkot gilt als weltliches Fest. Es geht um Handfestes. Um den Laib Brot auf dem Küchentisch.

Trotzdem, oder gerade darum: Das Laubhüttenfest ist nicht von Dauer. Es erinnert an die Vergänglichkeit von Erfolg und Reichtum. Ausgerechnet das Schwelgen im Überfluss lehrt Dank und Demut. Danksagen für alles Gute, das nicht selbstverständlich oder rein nach dem Ursache-Wirkung-Prinzip geschieht. Für Gaben und Wohltaten, die niemandem zuteilwerden aufgrund eines Anspruchs, einer Leistung oder aufgrund der Geburt. Dieser Zugang fordert weniger Selbstgerechtigkeit und mehr Demut.

Nach religiöser Lesart: Vor der Gnade und dem Schutz Gottes. Weltlich gesehen: Zum Glück bekomme ich vom Leben nicht bloß heraus, was ich vorher einbezahlt habe. Ich ernte nicht nur, was ich gesät habe. Die Saat hat sich übers Jahr vervielfacht. Mit und nicht alleine durch mein Zutun. Ich bin nur Gast auf dem Planeten, der mich ernährt. Ohne glückliche Umstände und ohne Gemeinschaft bin ich nichts.

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Astor Piazzolla/1921 - 1992
Bearbeiter/Bearbeiterin: Tilmann Köster /Transkription
Titel: LE GRAND TANGO ( a Mstislaw Rostropowitsch ) - für Violoncello und Klavier / Transkription für Baßklarinette und Streichorchester
* 5. Tempo di Tango (00:03:21)
* 6. Meno mosso (00:04:29)
* 7. Piu mosso (00:03:12)
Solist/Solistin: Giora Feidman /Baßklarinette
Orchester: The Israel Camerata
Leitung: Avner Biron
Länge: 02:00 min
Label: Pläne 88814

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