Der schlechteste Grund um zuhause zu bleiben

Früherkennung von Schlaganfall rettet Leben

In Österreich erleiden pro Jahr etwa 24.000 Menschen einen Schlaganfall, jeder sechste Betroffene stirbt. Damit ist der apoplektische Insult nach Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs hierzulande die dritthäufigste Todesursache.

Unterschiedliche Ausprägungen
Rund die Hälfte der Überlebenden kann nach einer adäquaten Therapie und Rehabilitation wieder ein normales Leben führen. 15 Prozent werden zu Pflegefällen und jeder sechste muss dauerhaft mit den Folgen des Gehirnschlags leben. Diese reichen von einer Halbseitenlähmung und mangelnder Bewegungsfähigkeit von Armen und Beinen über Sprach- und Wahrnehmungsstörungen bis hin zu kognitiven und emotionalen Einschränkungen (Depression, Persönlichkeitsstörung, Probleme im sozialen Verhalten).

Viele Ursachen
Es gibt zwei Arten des Schlaganfalls. Beim so genannten hämorrhagischen Schlaganfall kommt es zu Blutungen durch das Platzen einer Arterie im Gehirn. Wenn sich eine Arterie durch ein Blutgerinnsel verschließt, spricht man vom ischämischen Schlaganfall - 80 Prozent aller Gehirnschläge zählen zu dieser Form. Die häufigsten Ursachen für einen Schlaganfall sind Bluthochdruck, Diabetes, eine Fettstoffwechselstörung, Vorhofflimmern, wenig Bewegung, Übergewicht, falsche Ernährung und das Rauchen.

Operative Prophylaxe
In den vergangenen Jahren gab es glücklicher Weise einen Rückgang der Fälle. Dafür gibt es einige Gründe. Die neuen Medikamente zur Blutverdünnung sind effektiv und sicher. Häufig wird ein Schlaganfall durch Thromben im Herzen, die durch Herzrhythmusstörungen entstehen, ausgelöst. Wenn man das linke Herzohr operativ verschließt, kann das Risiko dafür gesenkt werden. Und schließlich sind in 15 Prozent der Fälle Verkalkungsherde in der Halsschlagader für den apoplektischen Insult verantwortlich. Nach genauer Prüfung des individuellen Risikos, können eine Operation der Halsschlagader oder ein Stent die Situation entschärfen.

Therapie stark verbessert
Was die Therapie des Schlaganfalls anbelangt hat sich in den vergangenen 20 Jahren sehr viel getan. Zu den Meilensteinen zählen unter anderem die Stroke Units, spezielle Schlaganfallsversorgungszentren, von denen es in Österreich mittlerweile 38 gibt. In vielen dieser Häuser wird neben der Thrombolyse (medikamentöse Auflösung eines Blutgerinnsels) auch das moderne Verfahren der Thrombektomie durchgeführt. Dabei wird das Blutgerinnsel über die Leiste mit Hilfe eines Katheters aus der Arterie herausgezogen. Zur Reduktion der Todesfälle nach einem Schlaganfall und zur Verhinderung schwerer Behinderungen trägt seit etlichen Jahren auch der FAST-Test (Face-Arm-Speech-Time) bei. Sowohl Betroffene als auch Rettungssanitäter können damit rasch erkennen, ob es sich um einen Schlaganfall handelt (herabhängender Mundwinkel, Lähmungserscheinungen an einem Arm, Sprachprobleme). Im Ernstfall muss so schnell wie möglich ein Krankenhaus aufgesucht werden.

Bei Symptomen auf keinen Fall zuhause bleiben
Die Betreuung akuter Schlaganfälle ist in Österreich seit vielen Jahren ein gut funktionierendes System. Im heurigen März jedoch geschah etwas noch nie Dagewesenes. Zahlreiche Menschen mit einem Schlaganfall riefen nicht sofort die Rettung, sondern blieben mit ihren Symptomen zuhause. Der Grund: Die Angst, sich im Krankenhaus mit SARS-CoV-2 anzustecken. Laut Untersuchungen ging die Zahl der offiziell bestätigten Fälle in Ländern wie China, Spanien, Italien und Frankreich um bis zu 30 Prozent zurück.
Fast unvorstellbar, aber wahr. Menschen mit einem leichten Schlaganfall und Symptomen wie etwa Lähmungserscheinungen an den Extremitäten oder Sprachschwierigkeiten blieben einfach unbehandelt. Zahlen zu gehäuften Todesfällen und schweren Behinderungen gibt es aktuell noch keine, es ist aber davon auszugehen, dass Corona auch hier nicht spurlos vorübergegangen ist.

Moderation: Univ.-Prof.in Dr.in Karin Gutiérrez-Lobos
Sendungsvorbereitung: Mag.a Nora Kirchschlager und Dr. Christoph Leprich

Reden auch Sie mit! Wir sind gespannt auf Ihre Fragen und Anregungen. Unsere Nummer: 0800/22 69 79, kostenlos aus ganz Österreich.

Haben Sie oder ein Angehöriger schon einmal einen Schlaganfall erlitten?

Welche Therapien haben Ihnen geholfen?

Wie war der Zeit der Rehabilitation?

Wie ergeht es Ihnen heute?

Inwieweit haben Sie Ihr Leben umgestellt?


Eine Sendung von Nora Kirchschlager und Christoph Leprich.

Service

Sendungsgäste (per Telefon zugeschaltet):

Univ.-Prof. Dr. Michael Brainin
Donau Universität Krems
Leiter des Departments für Klinische Neurowissenschaften und Präventionsmedizin
Präsident der globalen Schlaganfall-Organisation WSO
Dr.-Karl-Dorrek-Straße 30
3500 Krems
+43/2732/893/2810
E-Mail
Homepage

Prim. Univ.-Prof. Dr. Jörg R. Weber
Klinikum Klagenfurt am Wörthersee
Vorstand der Neurologischen Abteilung
Feschnigstraße 11
9020 Klagenfurt am Wörthersee
Tel.: +43/463/538/31703
E-Mail
Homepage

Prim. Priv.-Doz. Dr. Afshin Assadian
Leiter der Gefäßchirurgie am Wilhelminenspital, Facharzt für Chirurgie, Facharzt für Gefäßchirurgie, Endovaskulärer Spezialist, Präsident der österreichischen Gesellschaft für Gefäßchirurgie
Wilhelminenspital, Abteilung mit Schwerpunkt Gefäßchirurgie, vaskuläre und endovaskuläre Chirurgie
Pavillon 30b
Montleartstraße 37
1160 Wien

Weitere Anlaufstellen und Info-Links:

Österreichische Schlaganfallgesellschaft
Dachverband der Schlaganfall-Selbsthilfegruppen
Internationaler virtueller Schlaganfall-Kongress 2020
Präklinisches Schlaganfallsmanagement - Jede Minute zählt
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