Ultra-orthodoxe Juden während des Sukkots

AP/SEBASTIAN SCHEINER

David Weiss über Sukkot

"Bei Wind und Wetter". Gedanken über das jüdische Laubhüttenfest macht sich der Schriftsteller David Weiss

"Sollen alle Menschen wieder in Hütten wohnen, In Fell gehüllt wie vor Äonen? Du willst zurück in die Natur? Die Firmen, die Villa, die Limousinen, Schick ich gern zurück woher sie erschienen."

Diese Worte sagt Mephostophiles, der Teufel, in meinem 2011 erschienen Theaterstück zu Doktor Faust. Im 2. Bild: Habsucht & Neid. Unnötig zu erwähnen, dass er wenig Begeisterung für seinen Vorschlag erntet. Das Laubhüttenfest möchte, dass ich genau das tue, sieben Tage lang unter freiem Himmel und von Feldfrüchten leben. Und, dass ich dafür Dank sage. Frei von aller ironischen Distanz und jeder Esoterik. Damit ich wieder den Boden unter meinen Füßen spüre. Auf der Erde schlafe, von der ich komme und zu der ich wieder werde.

Die Worte, die der böse Schmeichler in meinem Theaterstück spricht, erinnern mich an die Stehsätze, die ich gelegentlich vom Volksmund und von gewählten Volksvertretern höre. Der Prophet Sacharja droht jenen, die an Sukkot nicht heraufziehen nach Jerusalem, um dem HERRN zu danken, dass es für sie nicht regnen wird. (Sach 14,16-19) Sitzen Menschen am Rand der arabischen Wüste auf dem Trockenen, steht ihnen das Wasser bis zum Hals.

Für uns ist es längst soweit. Ein Winter ohne Schnee, ein heißer Sommer und eine Virus-Pandemie aus heiterem Himmel bedeuten keine Katastrophe, denken immer noch viele. Während die Zeit dahinplätschert, wir vom Regen in die Traufe kommen, gibt es Greta Thunberg und die Fridays for Future. Damit die Jugend auch in Zukunft gedeiht. Viele, nicht nur Junge, berufen sich inzwischen auf den Elvis-Evergreen: A Little Less Conversation und verlangen: a little more action. Also ein bisschen weniger Geschwätz und etwas mehr Taten. Sie wollen überleben. Andere demonstrieren für ihre Jobs in der Kohleindustrie, und dass Bobtown, Pennsylvania, morgen nicht untergeht. Inzwischen ertrinken die Malediven.

Was für seltsame Zeiten, in denen wir leben. Dabei würde ich lieber vor meiner Laubhütte in der Sonne entspannen. Doch es regnet mir aufs Dach.

Service

David Weiss, "Die sieben Gesichter des Doktor Faust", Edition Karo

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Billy Strange
Komponist/Komponistin: Mac Davis
Gesamttitel: OCEAN'S ELEVEN / Original Filmmusik
Titel: A little less conversation
Untertitel: MUSIC FROM THE MOTION PICTURE
Solist/Solistin: Elvis Presley /Gesang m.Begl.
Länge: 01:42 min
Label: Warner Sunset 9362481122

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