ORF/FM4
Spielräume
Protestlieder anno 2026
Musik aus allen Richtungen mit Rainer Elstner. Kritisch-Aufmüpfiges von Wien bis Kalifornien
16. Februar 2026, 17:30
Zum 23. Mal ging das Finale des FM4 Protestsongcontests über die Bühne des Wiener Rabenhofs. Traditionell wird das Protestlied des Jahres am 12. Februar gekürt, dem Gedenktag an die Februarkämpfe 1934 (diesmal zufälligerweise am Tag des Wiener Opernballs). Durch den Abend im Rabenhof führte Michael Ostrowski, der auch den Eurovision Song Contest in Wien co-moderieren wird.
Wir stellen das diesjährige Sieger-Lied des Protestsongcontests vor und schauen von Österreich aus in die Welt. Denn politisch turbulenten Zeiten stehen auch musikalische Statements im Zentrum der Debatten: etwa der aufsehenerregende Auftritt von Latin-Superstar Bad Bunny beim Super-Bowl-Finale oder der Protestsong von Bruce Springsteen gegen "König Trump".
Bis heute gilt sie in Tschechien als lebende musikalische Legende: Marta Kubisová. Ihr Lied "Modlitba pro Martu" "Gebet für Marta" ist untrennbar mit der jüngeren Geschichte des Landes verbunden. Ursprünglich wurde das Stück für eine populäre Fernsehserie produziert. Doch die politischen Umstände verliehen ihm eine ungeahnte Brisanz: Es entstand im Jahr 1968, nur wenige Tage nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakt in die damalige Tschechoslowakei.
Aus einem Fernsehschlager wurde ein Symbol des Widerstands gegen das sowjetische Regime.
Viele Menschen hofften damals, die Besatzung würde höchstens zwei Jahre dauern, erinnerte sich Kubiová später in einem Interview mit Radio Prag. Tatsächlich jedoch blieb das Land zwanzig Jahre unter sowjetischem Einfluss. Für die Sängerin selbst hatte das gravierende Folgen: Ab 1970 erhielt sie Auftrittsverbot und durfte nicht mehr öffentlich singen.
Doch das Lied verschwand nicht. Nach zwei Jahrzehnten wurde es erneut zur Hymne des Protests während der Samtene Revolution im Jahr 1989. Auf dem Prager Wenzelsplatz sang Marta Kubisová "Modlitba pro Martu" vor Hunderttausenden Demonstrierenden. Ihre Stimme wurde zum Klang der friedlichen Revolution und zum Zeichen des politischen Aufbruchs.
Ein weiteres bekanntes Stück aus der Zeit vor ihrem Berufsverbot ist Kubiovás legendäre Cover-Version von "Hey Jude". Die Aufnahme erschien 1969, im Jahr vor ihrem langjährigen Auftrittsverbot. Internationale Bekanntheit erlangte diese Version später durch ihre Verwendung im Film Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, der auf dem gleichnamigen Roman von Milan Kundera basiert.
Service
fm4.ORF.at - Protestsongcontest
fm4.ORF.at - This is America! So war Bad Bunnys Halftimeshow beim Super Bowl
Sendereihe
Gestaltung
- Rainer Elstner
Playlist
Komponist/Komponistin: Jindrich Brabec
Titel: Modlitba Pro Martu
Ausführende: Marta Kubisová
Länge: 03:06 min
Label: Supraphon
Komponist/Komponistin: Johanna Florentina Wimazal
Komponist/Komponistin: Jael Wernert
Komponist/Komponistin: Selma Marija Rainer
Titel: My Body, My Choice
Ausführende: Black SunZet
Länge: 04:42 min
Komponist/Komponistin: John Lennon/1940 - 1980
Komponist/Komponistin: Paul McCartney/geb.1942
Gesamttitel: THE UNBEARABLE LIGHTNESS OF BEING / Original Filmmusik
Titel: Hey Jude
Anderer Gesamttitel: DIE UNERTRÄGLICHE LEICHTIGKEIT DES SEINS
Solist/Solistin: Marta Kubisova /Gesang m.Begl.
Länge: 05:42 min
Label: Metronome 8359182
Komponist/Komponistin: Bad Bunny
Komponist/Komponistin: Benito Antonio Martínez Ocasio
Titel: Super Bowl LX Halftime Show (Live)
Ausführende: Bad Bunny
Länge: 03:51 min
Label: NFL
Komponist/Komponistin: Bruce Springsteen
Titel: Streets of Minneapolis
Ausführende: Bruce Springsteen
Länge: 04:35 min
Label: Columbia
