Wasser, Gras und Sonnenuntergang

AP/ROBERT F. BUKATY

Julia Schnizlein über Kraft- und Informationsquellen

"Zu den Quellen". Die Pfarrerin der Lutherischen Stadtkirche Wien, Julia Schnizlein, fragt nach moderner Quellenkritik

Wir schreiben den 31. Oktober 1517: Es ist eine dunkle, kühle Herbstnacht, als sich der Theologieprofessor und Augustinerpater Martin Luther aufmacht, um 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche zu schlagen. Seine Hammerschläge hallen nicht nur durch Wittenberg - nein, sie erschüttern ganz Europa.

Das Bild des Thesenanschlags ist wie kaum ein anderes zum Symbol der Reformation geworden. Auch wenn es heute von der Mehrheit der Forscher als erwiesen angesehen wird, dass Luther an besagtem Tag nicht mit dem Hammer zu Werke gegangen ist. Fakt ist, dass Luther an jenem 31. Oktober Briefe an seine Vorgesetzten geschrieben hat. Er will ein Gelehrtengespräch über den Glauben anstoßen und innerkirchliche Missstände beheben.

Die Kirche habe sich viel zu weit von Jesus und seiner Lehre entfernt, findet Luther. Aus dem Ablass ist ein Geschäft geworden. Das Leben der Päpste und Bischöfe ist von Prunksucht gekennzeichnet - sie verbrauchen riesige Geldsummen für Bauten und Hofhaltung. Luther fordert eine Erneuerung der bestehenden Kirche. Zurück zu den Wurzeln! Zurück zur Quelle ist das Motto. Luther will Jesus Christus und sein Wort wieder in den Fokus der Kirche rücken und fordert damit praktisch ihre Re-Formation - zurück in die ursprüngliche Form.

Der knapp 34-jährige Mönch kämpft damals persönlich mit der Frage: Wie bekomme ich einen gnädigen Gott? Antworten findet er in der Bibel. Er entdeckt im Neuen Testament den gütigen Gott. Und den will er allen zugänglich machen. Alle Christinnen und Christen sollen selbst in der Bibel lesen, um zu Gott zu finden, findet Luther und übersetzt zunächst das Neue Testament, später die ganze Bibel aus den Originalsprachen ins Deutsche.

Zurück zur Quelle, zurück zu Jesus Christus und zu seinem Wort - aus diesem ursprünglich innerkirchlichen Reformbedürfnis heraus sind im Laufe der Zeit überall auf der Welt lutherische Kirchen entstanden. In Österreich gründet die Evangelische Kirche Augsburger Bekenntnis, abgekürzt A.B., in den Gedanken der Reformation Luthers. Am Samstag, am Reformationstag, feiert diese Lutherische Kirche die Erinnerung an ihre Quelle.

Service

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Georg Philipp Telemann
Album: TELEMANN & LUTHER: "EIN FESTE BURG IST UNSER GOTT"
* Allegro - 4.Satz (00:01:42)
Titel: Sonate für Violine, Viola da gamba, Traversflöte und Cembalo in e-moll TWV 42:e7
Populartitel: Triosonate
Ausführende: Concerto Melante
Leitung: Raimar Orlovsky
Ausführender/Ausführende: Philipp Bohnen /Violine
Ausführender/Ausführende: Ulrich Wolff /Viola da gamba
Ausführender/Ausführende: Léon Berben /Cembalo
Ausführender/Ausführende: Verena Fischer /Traversflöte
Länge: 01:42 min
Label: deutsche harmonia mundi 889853

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