Blätter fallen von einem Ast.

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Franz Josef Weißenböck über Tod und Leben

Um den eigenen Tod zu wissen, ist Auszeichnung und Last des Menschen. Hier komme auch die Religion ins Spiel, sagt der katholische Theologe und Autor Franz Josef Weißenböck

Von einem Augenblick zum anderen ist alles anders. Der Terroranschlag am Abend des Allerseelentages hat vermeintliche Sicherheiten und das gewohnte Leben zerrissen.

Eine Frage drängt sich auf, die oft und gerne verdrängt wird: Warum müssen wir Menschen sterben? Diese Frage beschäftigt die Menschen, seit es sie gibt. Religionen und Mythen sind Versuche, die Welt und deren Phänomene zu erklären. Heute bemühen wir die Wissenschaft - zum Beispiel beim Phänomen des Taus. Der Tau ist nichts anderes als in der nächtlichen Kühle kondensierte Luftfeuchtigkeit, sagt die Wissenschaft. Im alten Griechenland gab der Mythos eine andere Auskunft. Der Tau - das sind die Tränen der Göttin der Morgenröte. Eos, die rosenfingrige Göttin, wie Homer sie nennt, weint jeden Morgen um ihren Sohn Memnon, der vor Troja von Achill getötet worden war. Dieser Memnon war einer der beiden Söhne, die Eos mit dem trojanischen Prinzen Tithonos hatte. Das kam so:

Immer, wenn die Göttin der Morgenröte ihrem Bruder, dem Sonnengott Helios, vorausging, sah sie in Troja den Prinzen Tithonos. Der war ein schöner Jüngling, und die unsterbliche Göttin Eos verliebte sich - wie könnte es bei einer Unsterblichen anders sein - unsterblich in den sterblichen Tithonos. Eos bettelte den obersten Olympier, den Göttervater Zeus, an: Bitte bitte, lieber Zeus, mach meinen geliebten Tithonos unsterblich! Zeus schenkte dem Tithonos Unsterblichkeit. Tithonos war nun unsterblich, aber er wurde älter und älter, dann alt und schließlich sehr alt. Seine Stimme wurde brüchig und schrill - man erzählt, er habe wie eine Zikade gezirpt, vornehmlich am Morgen, wenn seine geliebte Eos am Himmel aufstieg.

Nicht sterben zu können - ist das nicht schlimmer als jeder Tod? Aber dem Tod durch die Hand von Menschen, dem Tod durch Terror kann kein Sinn abgetrotzt werden. Es bleibt nur Trauer, bis hin zur Staatstrauer wie in diesen Tagen.

Service

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Antonio Vivaldi/1678 - 1741
Titel: Concerto F.I Nr.34 für 3 Violinen, Streicher und Cembalo in F-Dur
* Andante - 2.Satz (00:02:28)
Orchester: I Nuovi Virtuosi di Roma
Solist/Solistin: Patrice Fontanarosa /Violine
Solist/Solistin: Federico Agostini /Violine
Solist/Solistin: Pavel Vernikov /Violine
Länge: 02:28 min
Label: RCA VD 87741

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