Die Mitglieder der Jazzkantine auf der Bühne.

Walter Gehring - (CC BY 3.0 DE)

Als Jazz und HipHop heftig flirteten: Jazzkantine

Das selbstbetitelte Debütalbum der Jazzkantine (1994)

Anfang der 1990er Jahre erstaunte eine heftige Flirtphase von Jazz und HipHop, von Saxofonisten, Trompetern und Pianisten auf der einen sowie Rappern und DJs auf der anderen Seite die Musikwelt. Die Jazz-Sample-Aktivitäten der HipHop-Produzenten hatten die Basis gelegt, das Projekt "Jazzmatazz" des US-amerikanischen Rappers Guru bedeutete dann die entscheidende Steilvorlage. Und plötzlich war HipHop, damals auch schon über eine Dekade alt, unter Jazzern "in".

Steve Coleman und Greg Osby traten mit HipHop-Projekten bei Jazzfestivals auf, sogar Free Jazzer wie Peter Kowald und Peter Brötzmann ließen sich mit der Band Expo's Jazz & Joy hören. Und dann kam die Jazzkantine als bestes und profundestes Ensemble, das weit über den kurzen Trend hinaus Bestand haben sollte.
Mit der Antwort auf die Frage "Was ist Jazz?" - in Gestalt eines Samples des Jazzpublizisten Joachim-Ernst Berendt - umriss die Jazzkantine gleich zu Beginn ihres selbstbetitelten Debütalbums anno 1994 ihr Unterfangen: Jazz, HipHop und alle Klangfarben dazwischen immer wieder neu zu beleuchten, coole Sounds und Grooves zu entwickeln und sich selbst nie zu kopieren.

Im Jahr zuvor gegründet, wurde der Band aus Braunschweig prompt der "German Jazz Award" für den Tonträger-Erstling zuerkannt. Mit Verve, Lässigkeit und wuchtigem Bass traf die Jazzkantine den Ton der jungen Generation. Das Projekt war der Versuch, Musiker, Rapper und DJs aus unterschiedlichsten Lagern im Studio zu vereinen. Gäste wie die Jazzer George Bishop und Gunter Hampel oder Smudo von Fanta 4 waren von Anfang an Teil der Strategie der immerwährenden Erneuerung der Besetzung rund um Christian Eitner, Ole Sander und Matthias Lanzer. Aufregend und innovativ für die damalige Zeit, mitreißend bis heute.

Gestaltung: Astrid Schwarz

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