Grenzerkundungen Teil 1: Die Steiermark

Ambiente Spezial: Von Bad Radkersburg über die Südsteirische Weinstraße nach Eibiswald. "Ambiente"-Programmschwerpunkt 2021 "Grenzerkundungen".

145 Kilometer lang ist die steirisch-slowenische Grenze. Nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie war die Untersteiermark an den neuen jugoslawischen Staat gefallen. Im Südosten der Steiermark wurde die Mur als Grenze bestimmt - das führte unter anderem zur Teilung der Stadt Radkersburg. Ihr österreichischer Teil ist für Thermalquellen und die hervorragend erhaltene Altstadt bekannt. Weniger bekannt ist Gornja Radgona, das alte Oberradkersburg, am rechten Ufer der Mur. Es gehört heute zu Slowenien, das sich 1991 aus dem Vielvölkerstaat Jugoslawien löste.

Ihre zahlreichen Buschenschenken machen die Südsteiermark wohl zur lukullischsten aller Grenzregionen Österreichs. Ein besonders symbolträchtiger Aussichtspunkt ist der Grenztisch an der Glanzer Kellerstraße: Die Grenze führt mitten durch den Picknick-Platz. Das gilt im Großen auch für die 1955 eröffnete Südsteirische Weinstraße. Stellenweise ragt diese Panoramaroute sogar ins Slowenische hinüber. Wer mit dem E-Bike unterwegs ist oder hügelauf, hügelab wandert, der setzt seinen Fuß an dieser "grünen Grenze" auch mal in den Nachbarstaat, ohne es zu bemerken.

Besonders sehenswert ist die Heiligengeistklamm, die von Leutschach hinauf zum steirisch-slowenischen Grenzkamm führt. Seltene Pflanzen und Tiere haben in der wildromantischen Schlucht Rückzugsräume gefunden. Von ihrem Ende sind es nur mehr wenige Gehminuten zu der bereits aus slowenischem Gebiet gelegenen Wallfahrtskirche Sveti Duh na Ostrem vrhu. Die Heiliggeistkirche am Osterberg ist Ziel einer traditionsreichen Wallfahrt, die auch in Zeiten des jugoslawischen Kommunismus Steirer und Slowenen zusammenführte.

20 Kilometer westlich von Leutschach liegt Eibiswald, und nur sieben Kilometer nördlich der Grenze zu Slowenien. Bis 2015 zählte der Ort etwa 1.500 Einwohner, seit den Gemeinde-Zusammenlegungen ist er auf rund 6.500 angewachsen. Während vor hundert Jahren Eibiswald noch ein florierender Industriestandort mit Braunkohle-Abbau, Stahlwerk und Glashütte war, ist es um die Arbeitsplatzsituation nicht mehr zum Besten bestellt. Lange schon sind die Werke stillgelegt, von den einst bis zu 20 Gasthäusern, die an die 800 zugereiste Arbeiter und Ingenieure verköstigten, sind gerade noch zwei geblieben. Mit Krisen unterschiedlichster Art ist man hier im Grenzland daher durchaus vertraut. Die meisten Bewohner hielten sich immer wieder mit ihren Nebenerwerbsbauernhöfen, Weinbergen und Gemüsegärten über Wasser. Dem Trend der Entschleunigung geschuldet hat sich der Ort auch zunehmend dem sanften Tourismus verschrieben. Immerhin liegt Eibiswald im Schilcherland, an der Kreuzung von Weitwanderwegen, und verfügt über einige Kulturinitiativen. Hier wurde Hans Klöpfer geboren, jener Heimatdichter, der mit seinen Gedichten der weststeirischen Mundart ein Denkmal gesetzt hat, dessen Nähe zum Nationalsozialismus jedoch lange nicht thematisiert wurde. Sein Elternhaus ist heute ein Museum.

Gestaltung: Ursula Burkert, Matthias Haydn

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