Die südkoreanische KPop-Gruppe BTS

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Radiokolleg

Idole auf der Bühne und im Netz

Über Schein und Sein von Stars und Influencern (1). Gestaltung: Sarah Kriesche

Idole faszinieren und begeistern - als Identifikationsfiguren für die eigenen Sehnsüchte, Wünsche und Visionen. So spielen Vorbilder seit jeher eine wichtige Rolle für die eigene Identitätsbildung und der Suche nach Zugehörigkeit. Diese Erkenntnis hat die Wirtschaft schon früh auf den Plan gerufen. Das Image von Idolen aus Sport, Politik oder von der Leinwand bzw. Bühne wird nicht nur dazu genutzt, um etwa Merchandising-, und Modeartikel erfolgreich auf den Markt zu bringen, sondern auch politische Botschaften unters Volk zu streuen. Die Maschinerie hinter der Pop- und Filmkultur hat die Psychologie um den Personenkult ausgereizt und perfektioniert. Denn hat sich ein Idol manifestiert, sind die Anhänger bereit, nahezu alles zu geben.

Mit der rasanten Verbreitung des Internets konnten sich neue Idole entwickeln - so genannte Influencer, die durch ihre permanente Selbstinszenierung mit Instagram-Fotos und Youtube-Videos zur Verkörperung eines bestimmten Lebensstils geworden sind. Die niederschwellige Möglichkeit, über Chats, Foren und in Kommentaren mit Influencern in Kontakt treten zu können, birgt auch Schattenseiten. Nicht nur die ständige Erreichbarkeit, auch der richtige Umgang mit übertriebener, mitunter besessener Verehrung, sowie Hasskommentaren, will gelernt sein. Weshalb sich auch eigene Unternehmen etabliert haben, die für so manch online-Star die Fan-Betreuung übernehmen, sowie Imagepflege betreiben.

Denn egal - ob online oder offline - mit Ruhm gehen auch Verantwortung und Geschäftsmodelle einher. Es gilt, das perfekte Image zu wahren und das transportierte Bild für die Anhängerschaft unter allen Umständen aufrecht zu erhalten. Nicht immer sind die Influencer auf die Konsequenzen des Kults um die eigene Person vorbereitet. Eine verzerrte Selbstwahrnehmung, das Gefühl über den Dingen und den Gesetzen zu stehen, sowie Machtmissbrauch sind manchmal untrennbar mit der Biografie von Idolen verknüpft. Das Ö1-Radiokolleg wirft einen Blick hinter die schillernde Welt von Idolen, in der Menschen oft bis zur Selbstaufgabe verehrt, oder gestürzt werden, wenn die eigenen menschlichen Schwächen dem Anspruch auf Unfehlbarkeit nicht gerecht werden.

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Literatur:
John Keegan: The Mask of Command, Penguin Books
Lisz Hirn: Wer braucht Superhelden; was wirklich nötig ist, um unsere Welt zu retten; Molden Verlag
Thomas Macho: Vorbilder, Wilhelm Fink Verlag
Ulrich Bröckling: Postheroische Helden, Suhrkamp Verlag
Claudia Wegener: Medien, Aneignung und Identität, Springer Verlag

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