Bänder

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Punkt eins

Klänge mit Gewicht und Verantwortung

Das Phonogrammarchiv und seine Ton-Trophäen: alte und neue Herausforderungen im Umgang mit dem klingenden Kulturerbe.
Gast: Dr. Kerstin Klenke, Musikethnologin, Leiterin des Phonogrammarchivs der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW).
Moderation: Barbara Zeithammer.
Anrufe kostenlos aus ganz Österreich unter 0800 22 69 79
E-Mails an punkteins(at)orf.at

Gänsehaut ist garantiert, wenn die Inuit fast wie die Wölfe Grönlands singen, die vermutlich ältesten Tondokumente österreichischer Sinti erklingen, die Stimmen von Kriegsgefangenen des Ersten Weltkriegs ertönen, längst ausgestorbene Sprachen zu hören sind oder einzigartige Rituale indigener Völker.

Vor 120 Jahren war es erstmals möglich, auch auf Expeditionen Tonaufnahmen zu machen und damit begann an dem 1899 gegründeten Phonogrammarchiv in Wien die Forschungstätigkeit im Feld mit dem Ziel, die Dialekte Europas, Musik und möglichst viele Sprachen aus aller Welt sowie Stimmportraits berühmter Persönlichkeiten zu sammeln - bis zum heutigen Tag und ergänzt um dazugehörige Erklärungen und Dokumentationen. Das Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ist das älteste audiovisuelle Archiv der Welt und eine internationale Instanz, wenn es um den Erhalt und das Abspielen von Tondokumenten geht.

Auch die Aufarbeitung der Aufnahmen macht immer wieder Schlagzeilen: 2018 beispielsweise wurden die Stimmen von Kriegsgefangenen aus dem Ersten Weltkrieg hörbar gemacht - und auch die damalige Forschungspraxis am Archiv kritisch analysiert. "Die Schätze haben auch ein Gewicht", sagt die Leiterin des Phonogrammarchivs, Kerstin Klenke, "sie bringen ethische und politische Herausforderungen mit, denen wir uns stellen".

In einer Zeit, in der jede und jeder mit dem Smartphone Audio- und Videoaufnahmen machen kann, kommen aus dem Phonogrammarchiv - neben der technischen Herausforderung, das klangliche Wissen und erhalten - zahlreiche aktuelle Anregungen und Fragestellungen: wie gehen wir mit dem klingenden Kulturerbe um, was nehmen wir in das klangliche Gedächtnis auf, wie lassen sich die Sammlungen präsentieren, wie die Aufnahmen und ihre Entstehungsgeschichten einordnen und nach welchen Überlegungen soll die Sammlungstätigkeit fortgeführt werden?

Zu Fragen wie diesen ist Kerstin Klenke zu Gast bei Barbara Zeithammer in Punkt eins und berichtet auch von ihren eigenen Erfahrungen im Feld. Seit Jahrzehnten forscht die Musikethnologin mit den Schwerpunkten "Musik und Politik", "Musik und Krieg" zu Zentralasien und der Kaukasusregion, hat für ihre Doktorarbeit in Usbekistan gelebt und gearbeitet und war zuletzt in Abchasien, dem "Filetstück der ehemaligen Roten Riviera, das heute einer Landschaft der Kriegserinnerung gleicht".

Die Hörer*innen von Punkt eins sind wie immer herzlich eingeladen, sich an der Sendung zu beteiligen: Sie erreichen uns unter 0800 22 69 79 kostenlos aus ganz Österreich oder per E-Mail an punkteins(at)orf.at

Service

Informationen:

Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Hier geht es direkt zum Online-Katalog.

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