Johanna Schwanberg

APA/ROLAND SCHLAGER

Gedanken für den Tag

Johanna Schwanberg über Frauen in der Kunst

"Frauenbilder in Kunst und Leben". Die Direktorin des Dom Museum Wien über Frauen als Motiv, aber auch als Schöpferinnen von bildender Kunst

Als Kind war ich mit meinen Eltern oft auf der Biennale für zeitgenössische Kunst in Venedig. In Erinnerung ist mir von all diesen Besuchen vor allem ein Bild geblieben, das wie ein Fixstern immer in Venedig war.

An dem riesigen Altargemälde in der Frari-Kirche begeisterten mich drei Dinge: Die leuchtenden Farben, die extreme Aufwärtsbewegung und die Hauptfigur: eine schwebende junge Frau mit ausgebreiteten Armen, die unschwer als Mutter von Jesus zu erkennen ist, und deren Fest "Maria Himmelfahrt" die römisch-katholische und die orthodoxe Kirche im August feiern. Auf diesem Bild ist Maria der absolute Mittelpunkt des Geschehens und wird von Engeln auf Wolken zum Himmel geleitet. Dort empfängt sie ein weißbärtiger Gottvater. So schlimm kann der Tod also nicht sein, habe ich mir damals als Mädchen naiv gedacht, wenn eine Himmelfahrt so gesellig und warmherzig zugeht und sich alles um eine Frau dreht.

Tizian hat die sogenannte "Assunta" um das Jahr 1516 gemalt. Angeblich waren die Fratres, die den Auftrag erteilt hatten, zunächst gar nicht begeistert. Zu ungewohnt, zu körperlich war das Bild. Bald darauf wurde es aber aufgrund seiner Lebendigkeit als Inbegriff einer neuen sakralen Kunst gefeiert. Dass Tizian seine Innovationen gerade an einem Marien-Thema probierte, ist kein Zufall. Denn Maria, die in der Bibel kaum beschrieben wird, ist für Künstler die Figur mit dem meisten Gestaltungsspielraum.

Besonders am Christentum ist, dass neben der Anbetung von männlichen Gottes-Bildern eine Frau als Mutter Gottes verehrt wird. Maria ist daher auch die Frauengestalt der abendländischen Kunstgeschichte schlechthin. Einmal blond, einmal braunhaarig, einmal mager, einmal füllig, einmal stärker vergeistigt, einmal stärker irdisch. Maria hat im Laufe der Jahrhunderte viele Gesichter bekommen. Diese vielen Gesichter bilden das jeweilige Frauenbild einer Zeit ab und machen bewusst, dass es einem ständigen Wandel unterliegt.

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Sendereihe

Gestaltung

Übersicht

Playlist

Komponist/Komponistin: Leonard Bernstein/1918 - 1990
Bearbeiter/Bearbeiterin: Sid Ramin
Urheber/Urheberin: Leonard BERNSTEIN/25.8.1918 Lawrence, Massachusetts - 14.10.1990 New York
Album: CLASSICS MEET POPS
Titel: Maria/instr. / aus dem Musical "West Side Story" / Bearbeitung für 12 Violoncelli
Orchester: Die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker
Länge: 03:40 min
Label: Teldec 2292429862

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