Radiokolleg

Radiokolleg - Kinderlieder einst und jetzt

Von Hänschen Klein bis Baby Shark (3). Gestaltung: Ulla Ebner

Das bisher am häufigsten angeklickte Youtube-Video aller Zeiten ist ein Kinderlied: "Baby Shark". Mehr als 7,5 Milliarden mal haben sich Menschen diesen Clip angesehen, in dem südkoreanische Kids in einer Zeichentrickanimation zu einem althergebrachten amerikanischen Kinderlied tanzen. Dieser monoton klingende, aber äußerst eingängige Ohrwurm hat mittlerweile unzählige Cover-Versionen. Medienberichten zufolge sollen Gefängniswärter im US-Bundesstaat Oklahoma Insassen gefoltert haben, indem sie ihnen "Baby Shark" in Dauerschleife vorgespielten.

Wenn von "Kindermusik" die Rede ist, ergreifen Erwachsene oft die Flucht. Doch das muss gar nicht so sein. Längst gibt es eine große Bandbreite an Musikern und Musikerinnen die kindgerechte Texte in hörbare Pop-, Rock-, Hip Hop und Reggae-Arrangements verpacken.
Frühes Singen und Musizieren fördert die kognitive, psychische und soziale Entwicklung von Kindern, wie zahlreiche Studien belegen. Insbesondere der Spracherwerb wird durch Lieder gefördert. Bereits Babys im Alter von sechs Monaten spüren Rhythmus und können im Takt mitwippen.

Viele Jahrhunderte lang wurden Kinder als kleine Erwachsene gesehen. Es gab weder spezielle Kleidung noch spezielle Musik für sie. Das änderte sich ab dem 18. Jahrhundert mit dem Zeitalter der Aufklärung. Plötzlich wurde den menschlichen Entwicklungsstadien Kindheit und Jugend große Bedeutung beigemessen. Pädagogische Konzepte wurden entwickelt, um Kinder zu wertvollen und nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft zu erziehen. Es entstanden eigene Möbel, Spielsachen, Geschichten und Lieder für Kinder.

Viele von diesen Kinderliedern hatten erzieherische oder bildende Funktionen: Sie sollten den jungen Menschen etwas über die Natur, den Lauf der Jahreszeiten und über die Berufe der Erwachsenen vermitteln.
Ein Großteil der traditionellen, bis heute gesungenen, deutschsprachigen Kinderlieder stammt aus dem 19. Jahrhundert. Allein der Dichter August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1790-1874) schrieb an die 500 Kinderlied-Texte.
Darunter Evergreens wie "Ein Männlein steht im Walde",
"Der Kuckuck und der Esel" und "Summ, summ, summ".

Mittlerweile füllen Kindermusik-Stars wie die Hip Hop Band "Deine Freunde" riesige Konzerthallen. Zu ihrer Musik tanzen Kinder und Jugendliche, ebenso wie Mamas und Papas. Ihre Texte ermuntern Kinder nicht immer nur zum "Bravsein". Rein vom Musikalischen her unterscheidet sich Kindermusik heutzutage nur geringfügig von der Musik für Erwachsene.
Dennoch sei es wichtig, dass Kinder Musik mit altersgerechten Texten hören dürfen, die extra für sie geschrieben wurde, betont die Musikerin Suli Puschban, Vorsitzende des deutschen Netzwerks Kindermusik.de. Denn die Pubertät ziehe die Jugendlichen früh genug auf "die dunkle Seite der Macht" in Richtung Deutsch-Rap und der dazugehörigen Macho-Kultur. Ein Radiokolleg über Kindermusik die auch für erwachsene Ohren erträglich ist.

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Suli Puschban
Deine Freunde
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Buchtipp:
Christa Holtei, Tilman Michalski: "Warum klappert die Mühle am rauschenden Bach? Kinderlieder und ihre Geschichte", Sauerländer

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