Menschen bummeln in Peking durch eine Fußgängerzone

AP/MARK SCHIEFELBEIN

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Weltmacht China

Wie die Volksrepublik die Welt herausfordert (1). Gestaltung: Brigitte Voykowitsch

Bis 2049 sind es noch knapp drei Jahrzehnte. Doch dieses Jahr, in dem Peking den 100. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China begehen wird, wird von manchen Experten bereits jetzt zur Chiffre einer radikal anderen Welt erhoben: Gemäß diesen Thesen wird China bis dahin wirtschaftlich und politisch zur Weltmacht Nummer Eins aufgestiegen sein, während Europa im schlimmsten Fall am Ende sein könnte. Wie sich der Konflikt mit den USA weiterentwickelt, bleibt abzuwarten. Prognosen sind stets mit Vorsicht zu genießen, sie drücken aber jedenfalls die Sorge angesichts laufender Entwicklungen aus.

So hat die EU zwar jüngst ein neues Investitionsabkommen mit China geschlossen, in Strategiedokumenten der EU wird die Volksrepublik aber nicht mehr nur als Partner, sondern auch als Konkurrent auf wirtschaftlicher und geopolitischer Ebene bezeichnet. Dabei geht es um eine System-Konkurrenz, in der Peking zunehmend auch Einfluss auf die Ausgestaltung der globalen politischen Strukturen nimmt und Autoritarismus statt liberaler Demokratie favorisiert. Es geht aber auch um die Frage, inwieweit sich die Welt und insbesondere Europa durch Outsourcing und andere Maßnahmen in zu große Abhängigkeit von Peking begeben haben.

Die Debatte um die Lieferung pharmazeutischer Produkte aus China wurde gerade erst in Bezug auf die Corona-Pandemie relevant. Der Aufstieg Chinas hat sich dabei binnen weniger Jahrzehnte vollzogen. Als der neue starke Mann Deng Xiaoping Ende der 1970er Jahre eine neue Politik einleitete, war China gezeichnet von schweren inneren Konflikten und der Kulturrevolution. Das südliche Shenzhen, ein Symbol des rasanten Aufstiegs, war eine Gegend mit ein paar Fischerdörfern. Heute ist es eine supermoderne Metropole mit rund 12 Millionen Einwohnern.

Mit dem Status als "Weltfabrik", also dem Produzenten billiger Textilien, gibt sich China längst nicht mehr zufrieden. Das Land entwickelt Hochtechnologien und strebt in vielen Bereichen nach Autarkie. Die neuen Seidenstraßen und Investitionen in Afrika sollen den globalen Status sichern. Menschen- und Arbeiterrechte spielen kaum eine Rolle, wie die brutale Unterdrückung der Uiguren in der westlichen Provinz Xinjiang oder der Demokratiebestrebungen in Hongkong zeigen. In Bezug auf die globalen Beziehungen hat der derzeitige chinesische Staatspräsident Xi Jinping in seinen Reden immer wieder das Ziel einer "Win-win-Kooperation" beschworen. Das gilt es nach der Überzeugung westlicher Experten jedenfalls sehr genau zu beobachten und zu prüfen.

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Der große Beutezug
Chinas stille Armee erobert den Westen
Aus dem Englischen von Helmut Dierlamm und Karin Miedler
Hanser2011

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Die neuen Seidenstraßen: Gegenwart und Zukunft unserer Welt
Rowohlt 2019

Clive Hamilton , Mareike Ohlberg et al.
Die lautlose Eroberung: Wie China westliche Demokratien unterwandert und die Welt neu ordnet
Deutsche Verlags-Anstalt 2020

Wolfgang Hirn,
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Die Weltwirtschaft von morgen
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China am Ziel! Europa am Ende?
Der Kampf um die Führung in der Weltwirtschaft.
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Wie die neue Supermacht unser Leben, unsere Politik, unsere Wirtschaft verändert
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