MAN-Werk in Steyr

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Punkt eins

Globalisierung in Europa

Standortpolitik und Lohngefälle von West nach Ost
Gäste: Univ.-Prof. Dr. Michael Landesmann, Ökonom, Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche und Johannes Kepler Universität in Linz & Dr. Michael Soder, Volkswirt und Sozioökonom, Referent in der Abteilung Wirtschaftspolitik der Arbeiterkammer Wien.
Moderation: Marlene Nowotny
Anrufe kostenlos aus ganz Österreich unter 0800 22 69 79
E-Mails an punkteins(at)orf.at

Seit 1918 werden in Steyr Motoren, Karosserien, ganze Automobile gefertigt. Noch immer ist diese Fertigungssparte für den oberösterreichischen Ort wichtigster Arbeitgeber. Dazu zählt auch das MAN-Werk, in dem LKW produziert werden und das zum deutschen Volkswagen-Konzern gehört. MAN will den österreichischen Standort schließen und nach Polen übersiedeln.

Eine Entscheidung, die vielleicht für weniger Tumult sorgen würde, wenn das Werk in Steyr langfristig defizitär wäre. Doch dem ist nicht der Fall. Das Werkt ist profitabel, doch nicht so profitabel wie andere Standorte des Konzerns. Die Logik der kurzfristigen Profitmaximierung schlägt also zu: Anstatt sich weiter um den Ausbau eines technologie- und forschungsintensiven Werkes zu bemühen, gibt man dem internen Rationalisierungsdruck nach und sucht nach günstigeren Produktionsbedingungen.

Niedrige Unternehmenssteuern und niedrige Mindestlöhne zählen zu den attraktivsten Standortfaktoren für große Konzerne. Neben Steueroasen hat die Europäische Union auch ein starkes Lohngefälle zu bieten. Grob gesprochen fallen die Löhne von West nach Ost. In Luxemburg liegt der Mindestlohn etwa bei knapp zwölf Euro, in Bulgarien müssen nicht einmal zwei Euro die Stunde bezahlt werden. In Österreich gibt es keinen Mindestlohn, hier hat jeder Kollektivvertrag eine eigene Lohnuntergrenze. Arbeitende im MAN-Werk in Steyr verdienen in der Fertigung derzeit etwa 2.500 Euro netto pro Monat. Am neuen polnischen Standort dürfte der Lohn zumindest ein Drittel niedriger sein.

Die Länder Mittel- und Osteuropas profitieren natürlich von diesen Verschiebungen: Die verlagerten Produktionsstätten westlicher Unternehmen befördern dort die Reindustrialisierung. Der Ökonom Michael Landesmann erforscht die "ökonomische Integration" dieser Länder in die EU. Seine Analysen zeigen, dass der Wohlstand dort in den vergangenen Jahren merklich stieg, die Löhne aber nicht im gleichen Ausmaß mitzogen. Wie also eine gerechtere Mindestlohnpolitik in ganz Europa aussehen könnte, ist eine Frage, mit der sich der Sozioökonom Michael Soder befasst.

Welche Folgen haben diese Lohngefälle in Europa, wie könnte eine aktivere Standortpolitik aussehen und welche Produktionskosten bleiben in diesen Berechnungen bis dato unberücksichtigt bleiben, im Westen wie im Osten? Bei Marlene Nowotny können Sie mit Michael Landesmann und Michael Soder sprechen: Rufen Sie in der Sendung an unter 0800 22 69 79 - kostenfrei aus ganz Österreich - oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at

Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Urheber/Urheberin: Nils Landgren, Traditional & Esbjoern Svensson
Titel: Breathe In
Ausführender/Ausführende: Nils Landgren & Esbjörn Svensson
Länge: 04:42 min
Label: ACT

Urheber/Urheberin: Nils Landgren, Traditional & Esbjoern Svensson
Titel: The Tree
Ausführender/Ausführende: Nils Landgren & Esbjörn Svensson
Länge: 02:49 min
Label: ACT

Urheber/Urheberin: Nils Landgren, Traditional & Esbjoern Svensson
Titel: Calling the Goats
Ausführender/Ausführende: Nils Landgren & Esbjörn Svensson
Länge: 03:41 min
Label: ACT

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