Pollen der Hasel

APA/DPA/WOLFGANG KUMM

Radiodoktor - Medizin und Gesundheit

Neue Therapien von Heuschnupfen und Co.

In Europa leiden mindestens 60 Millionen Menschen an Heuschnupfen und/oder allergischem Asthma - den sogenannten inhalativen Allergien.
Erkrankten vor einem halben Jahrhundert gerade einmal zwei Prozent der Bevölkerung an Allergien, so sind mittlerweile 25 Prozent davon betroffen. 1,2 Millionen Menschen in Österreich haben die häufigste, durch Pollen hervorgerufene Form - den "Heuschnupfen". Insgesamt sind rund zwei Millionen von Überempfindlichkeiten des Immunsystems gegen Eiweißstoffe in Pollen, Nahrungsmitteln, Milben oder im Fell von Haustieren betroffen.
Dies hat verschiedene Gründe. Bei Pollen und Gräsern spielen die Klimaerwärmung und die Luftverschmutzung eine große Rolle. Bei den Lebensmitteln haben die Globalisierung, Stichwort Früchte und Nüsse aus fernen Ländern, und veränderte Produktionsprozesse, im Zuge derer Nahrungsmittel angereichert werden, Einfluss auf die steigende Zahl von Allergikerinnen und Allergikern.

Molekulare Allergiediagnostik ermöglicht passgenaue Therapie

Um den Betroffenen eine optimale Behandlung bieten zu können, geht die Diagnostik neue Wege. Zusätzlich zur traditionellen Allergiediagnose hat sich in den letzten Jahren die molekulare Allergiediagnostik etabliert. Sie ermöglicht eine differenziertere Bestimmung der Sensibilisierung. Prim. Priv.-Doz. Dr. Fritz Horak leitet das Allergiezentrum Wien West und wendet diese Methode an. Dabei wird nicht nur überprüft, ob der Betroffene zum Beispiel auf Erdnüsse allergisch ist, sondern auf welchen konkreten Bestandteil. Besteht eine Allergie gegen das Speicherprotein (ein bestimmtes Eiweiß der Nuss), wird der Patient heftig, möglicherweise mit einem anaphylaktischen Schock, auf das Lebensmittel reagieren. Auch bei der Insektengiftdiagnostik gibt es neue Allergene in Bezug auf Wespen- und Bienenstiche, die getestet werden können. Dieses Wissen hilft bei der Risikoeinschätzung und der passgenauen allergenspezifischen Immuntherapie.

Tabletten gegen Baumpollen und Ragweed

Stichwort Immuntherapie: Hyposensibilisierung in Form von Tabletten gab es bisher nur für vereinzelte Allergene. In den letzten Jahren hat sich aber einiges getan. So wurden Tabletten gegen Hausstaubmilben und vor kurzem gegen Baumpollen und Ragweed entwickelt. Somit gibt es für viele der Hauptallergene neben der Immunisierung durch die Spritze auch die Möglichkeit durch Tabletten eine Hyposensibilisierung herbeizuführen.
Bei Nahrungsmittelallergien ist die Immunisierung um einiges schwieriger, da die Patienten sehr stark reagieren können. Zwar gibt es bereits ein Präparat gegen Erdnüsse, leider ist es im Moment aber noch mit einigen Nebenwirkungen verbunden.
Im Bereich der gefährlichen Insektengiftallergie gibt es noch großen Aufholbedarf. "Viel zu wenige Betroffene sind immunisiert", sagt Priv. Doz. Mag. Dr. Stefan Wöhrl vom Floridsdorfer Allergie Zentrum. Dabei liegt die Wirkrate dieser Hyposensibilisierung bei 95 Prozent.

Werden Ihre Allergie-Beschwerden bei Regen schlimmer?

Haben Sie schon einmal von Thunderstorm-Asthma gehört? Bei Allergien gegen Pollen und Pilzsporen können Gewitter zu schwerwiegenden, in Massen auftretenden, Asthma-Anfällen führen. Bei Regen und Feuchtigkeit platzen die Pollen und Pilzsporen auf und geben allergene Mikropartikel frei.
Im Spätherbst 2016 mussten im australischen Melbourne nach einem heftigen Gewitter tausende Menschen wegen asthmatischer und allergischer Beschwerden Spitäler aufsuchen. Seitdem wird dieses Phänomen genauer untersucht.

Neueste Erkenntnisse über Birkenpollenallergie

Priv.-Doz.in Mag.a Dr.in Gabriele Gadermaier vom Department of Biosciences an der Universität Salzburg arbeitet an der Weiterentwicklung der Allergiediagnostik und -therapie. In einer aktuellen Studie hat sie sich mit der Birkenpollenallergie beschäftigt.
Die erstaunlichen Ergebnisse: Die sogenannten IGA Antikörper sind zahlreich in der Nasenschleimhaut zu finden - und zwar bei Allergikern und Nichtallergikern. Bei Menschen, die keine Allergie entwickeln, sind diese IGA Antikörper aber viel aktiver. Sie binden sich mit hoher Intensität an die Birkenpollen und ziehen diese - salopp gesagt - aus dem Verkehr.
Möglicherweise könnte das für alle inhalativen Allergene gelten. Das würde neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnen.

Moderation: Univ.-Prof. Dr. Manfred Götz
Sendungsvorbereitung: Lydia Sprinzl, MA und Dr. Christoph Leprich
Redaktion: Mag.a Nora Kirchschlager und Dr. Christoph Leprich

Reden auch Sie mit! Wir sind gespannt auf Ihre Fragen und Anregungen. Unsere Nummer: 0800/22 69 79, kostenlos aus ganz Österreich.

Leiden Sie an einer Allergie?

Sind Ihre Eltern auch betroffen?

Welche Therapie hat sich bei Ihnen bewährt?

Haben Sie Erfahrungen mit der allergenspezifischen Immuntherapie gemacht?
Haben Sie diese vorzeitig beendet?

Leiden Sie an einer Insektengiftallergie? Haben Sie sich immunisieren lassen?

Haben Sie die Baumpollen- und Ragweed-Tabletten schon ausprobiert?

Service

Studiogast im Funkhaus Wien:

Prim. Priv.-Doz. Dr. Fritz Horak
Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde, Leiter Allergiezentrum Wien West
Hütteldorfer Straße 46
A-1150 Wien
Tel.: +43 (1)/982 41 21
E-Mail
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Gäste am Telefon:

Priv. Doz. Mag. Dr. Stefan Wöhrl
Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Leiter Floridsdorfer Allergie Zentrum
Franz-Jonas-Platz 8/6
A-1210 Wien
Tel.: +43 1 2702530
E-Mail
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Priv.-Doz.in Mag.a Dr.in Gabriele Gadermaier
Department of Biosciences, Christian Doppler Laboratory for Biosimilar Characterization, Universität Salzburg
Hellbrunner Straße 34
A-5020 Salzburg
Tel.: +43/(0)662/8044 - 5974
E-Mail
Homepage

Anlaufstellen und Infolinks:

Pollenwarndienst
Österreichische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie: Arbeitsgruppe Allergologie
Österreichische Gesellschaft für Allergologie und Immunologie
Ratgeber Gräserallergie
Allergiecheck.de: Was Sie über Lebensmittelallergien wissen müssen
Allergiecheck.de: Allergie-Behandlung - Gehen Sie effektiv gegen Ihre Allergie vor
Mein Allergie Portal: Molekulare Allergiediagnostik: Wer braucht die differenzierte Diagnostik?
Allergievermeidung.org: Neue Therapie gegen Ragweed-Allergie
Universität Augsburg: Thunderstorm Asthma
Studie über Birkenpollenallergie: High?affinity Bet v 1?specific secretory IgA antibodies in nasal fluids protect against birch pollen allergy
Mein Allergie Portal: Immunstärkung vom Bauernhof: Mit der "Kuhstallpille" dem Mikrobiom helfen?

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