Jazzinstrumente

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Radiokolleg

Radiokolleg - Der Herr der weichen Klänge

Jimmy Giuffre und der Chamber Jazz (1). Gestaltung: Thomas Mießgang

Zum 100. Geburtstag von Jimmy Giuffre, der den ´Chamber Jazz`, eine Form der kammermusikalischen Improvisation mitbegründet hat.
"Drums are tyrannical" hat Jimmy Giuffre einmal gesagt: Trommeln seien tyrannisch, weil sie mit ihrem durchgehenden und markanten Rhythmus den kreativen Spielraum von Improvisatoren einengen würden. So war es nur konsequent, dass der Klarinettist, Saxophonist und Komponist über lange Zeiten seiner Karriere auf das Schlagzeug verzichtete und stattdessen Trios mit Bass und Gitarre oder Klavier leitete, die eine Form von polyphonem kammermusikalischen Jazz praktizierten, der damals völlig neu war - der Begriff ´Chamber Jazz` ist untrennbar mit dem Namen Jimmy Giuffre verbunden.

Begonnen hatte der 1921 in Dallas/Texas geborene und 2008 in Massachusetts verstorbene Musiker allerdings in einem ganz anderen Milieu: der Big Band-Szene der 1940er Jahre: Für die Großformation von Woody Herman schrieb er die Komposition "Four Brothers", die den Stil der Gruppe mit dem ´weichen` Bläsersatzklang aus drei Tenorsaxophonen und einem Bariton für Jahre definieren sollte. "Four Brothers" war gleichermaßen Segen wie auch Fluch, denn nachdem Jimmy Giuffre seine Musik in den fünfziger Jahren immer weiter aus der Komfortzone des Mainstream herausführte und einen freien Klang jenseits des brüllenden Free Jazz anvisierte, wollten ihm die Fans der frühen Jahre nicht mehr folgen. Was dazu führte, dass er eine Kultfigur blieb, deren kommerzieller Erfolg sich in Grenzen hielt. Immer wieder war er gezwungen, aus dem Konzertbetrieb auszuscheren und stattdessen ´Teaching Jobs` an Universitäten anzunehmen.

Heute ist der Chamber Jazz als legitime Form der Zusammenführung von Jazz und europäischer Moderne allerdings in breitem Stil durchgesetzt: Jimmy Giuffre wird retrospektiv als bedeutender Innovator anerkannt, der sich mit zeitgenössischen Komponisten wie John Cage oder Karlheinz Stockhausen genauso gut auskannte wie mit Duke Ellington. Die Musikviertelstunde befasst sich mit der Urszene einer kammermusikalischen Improvisationsmusik, die in der großen Zeit des Cool Jazz einen eigenen klanglichen Traumpfad suchte. Und mit Musikern, die, wie der Pianist Paul Bley und der Gitarrist Jim Hall gemeinsam mit Jimmy Giuffre das Projekt Chamber Jazz vorantrieben oder, wie der Schlagzeuger Chico Hamilton, ihre eigene Version der sanften Revolution schufen.

Erwähnt wird auch der Pianist Ran Blake, der als einziger Überlebender aus der heroischen Gründerzeit, auch heute noch, mit 85 Jahren, die Flagge des ´Dritten Stromes` in der Musik hochhält: Eines Thirdstream, dessen Wurzeln in jener Zeit liegen, als Jimmy Giuffre sein erstes berühmtes Trio mit Jim Hall und dem Bassisten Ralph Pena vorstellte: "Bevor es dieses Ensemble gab," erzählte er später, "spielte ich wie viele andere. Doch mit dem Trio hatte ich das Gefühl, alle musikalischen Schulen hinter mir zu lassen und einen eigenen Sound zu entwickeln."

Service

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Sendereihe

Gestaltung

  • Thomas Mießgang

Übersicht

Playlist

Komponist/Komponistin: Giuffre
Titel: Four Brothers
I: Woody Herman
Label: Queen-disc Q-037

Komponist/Komponistin: Giuffre
Titel: Four Brothers
I: Jimmy Giuffre
Label: Capitol Records H 549

Komponist/Komponistin: Giuffre
Titel: Four Brothers
I: Jimmy Giuffre 3
Label: Atlantic 1295

Komponist/Komponistin: Giuffre
Titel: So Low
I: Jimmy Giuffre
Label: Atlantic 1238

Komponist/Komponistin: Giuffre
Titel: The Train and the River
I: Jimmy Giuffre 3
Label: Atlantic 1254

Komponist/Komponistin: Giuffre
Titel: The Side Pipers
I: Jimmy Giuffre
Label: Atlantic 1238

Komponist/Komponistin: Giuffre
Titel: Pony Express
I: Jimmy Giuffre
Label: Atlantic SD-1330

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