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Junge Israelis im ehemaligen Feindesland

"Jerida" - das bedeutet Auswanderung. Junge Israelis in Wien.
Featureautorin Janina Böck-Koroschitz geht der Frage nach, was junge Israelis in ein Land zieht, das ihre Vorfahren vertrieben und ermordet hat. - Sie erhält erstaunliche Antworten.

In Israel ist die Lage angespannt.

"Die Lage ist immer angespannt, man kennt an allen Ecken Leute, die verletzt wurden, getötet wurden, im Krieg waren. Das ist einfach die Realität dort und es ist hier so ruhig und friedlich" - so beschreibt der 31- jährige Or Alexander Pearl den Unterschied zwischen Israel und Österreich. Der junge Mann hat Israel unmittelbar nach seinem dreijährigen Militärdienst verlassen und keine Ambitionen, in das Land am Mittelmeer zurückzukehren.

Der Alltag in Österreich: ruhig und distanziert

Die Feature-Autorin hat junge Israelis, die in Wien wohnen, interviewt und sie nach den Beweggründen für ihren Umzug befragt. Die Antworten waren, wie die Personen selbst, sehr unterschiedlich. So war es bei Or die Flucht aus Israel nach dem Militärdienst, bei einer anderen das Studium an der Lauder Business School, ein junger Mann kam, um als Security vor jüdischen Einrichtungen zu arbeiten und eine Frau ist der Liebe ihres Lebens nach Wien gefolgt. Bei einem waren sich alle einig: Der Alltag in Österreich ist ruhig. Keine Bedrohung durch Raketen. Eine angenehme Distanz der Menschen untereinander und eine Ordnung, die sie sehr schätzen.

Abwanderung bringt Konflikte mit der Familie

In Israel hat sich die Autorin zum Gespräch mit der Migrationsforscherin Dani Kranz getroffen, die sich wissenschaftlich mit der Abwanderung junger Israelis nach Deutschland und Österreich beschäftigt. Auch die Tante von Or Alexander Pearl kommt zu Wort: Der Umzug ihres Neffen nach Europa, die Jerida, so wird die Abwanderung von Jüdinnen und Juden aus Israel genannt, ist für sie nicht unbedingt positiv konnotiert. Eine Rückkehr nach Österreich, in das Land, aus dem im Nationalsozialismus rund 120.000 Juden emigrierten, ist für viele undenkbar. 65.500 jüdische Österreicher/innen wurden im Holocaust ermordet, eine Auseinandersetzung mit der Geschichte bleibt auch der jungen Generation nicht erspart. Gleichzeitig etablierte sich hierzulande in den letzten Jahren eine neue Szene, die ein bisschen das Flair aus Tel Aviv mit Lokalen und Clubs nach Wien gebracht hat.

Redaktion: Elisabeth Stratka

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