Karl Farkas

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Radiokolleg - Das Lachen des Jahrhunderts

Der Unterhaltungskünstler Karl Farkas (1893-1971) (1). Gestaltung: Sabrina Adlbrecht

Er gilt als Gallionsfigur des Wiener Kabaretts: Karl Farkas. Als er 1971, im 78. Lebensjahr stirbt, würdigt ihn u.a. die Süddeutsche Zeitung als "Seiltänzer der Sprache" und "Garant für geschliffenen Wortwitz". Den Österreichern ist Karl Farkas vor allem durch sein Schaffen im Kabarett "Simpl" seit den 1950er Jahren in Erinnerung geblieben. Seine Karriere hatte aber schon viele Jahrzehnte vorher begonnen; und diese ist untrennbar verbunden mit den Brüchen des vorigen Jahrhunderts.

1893 in Wien in eine jüdische Familie hineingeboren, absolvierte Karl Farkas die "Akademie für Musik und darstellende Kunst" und stieg schon nach dem Ersten Weltkrieg zu einem gutverdienenden und gefeierten Bühnenstar auf. Farkas hatte Engagements in Olmütz, Mährisch-Ostrau und Linz, wo er auch als Opern- und Operettenregisseur tätig war. 1921 kam er als Schauspieler und Regisseur nach Wien, wurde als "Blitzdichter" im Kabarett "Simpl" engagiert und etablierte dort gemeinsam mit Fritz Grünbaum die aus dem Budapester Kabarett stammende Doppelconférence. Diese sollte - mit wechselnden Partnern - Farkas´ lebenslanges Markenzeichen werden.

Ein jähes und brutales Ende fand seine Karriere 1938 durch den so genannten Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland. Sein kongenialer Bühnenpartner Fritz Grünbaum geriet in die Fänge der National-sozialisten und starb 1941 im KZ Dachau. Farkas gelang in letzter Minute die Flucht quer durch Europa bis nach Amerika, wo er sich eine zweite Karriere aufbaute. Um seine Frau und seinen geistig schwer behinderten Sohn nach jahrelanger Trennung wiedersehen zu können, verließ Karl Farkas 1946 die USA und kehrte als einer der ersten Emigranten nach Österreich zurück. Vier Jahre später übernahm er die künstlerische Leitung des "Simpl" und arbeitete daneben als Drehbuchautor, im Hörfunk und bald auch im neuen Medium Fernsehen. Über Verfolgung, Flucht und Exil sprach er kaum. - Und sein Publikum war ihm dafür dankbar. Es wollte lachen und vor allem vergessen.

Während sich auf den Wiener Kleinkunstbühnen allmählich eine neue Art des bissigen, sozialkritischen und politischen Kabaretts zu etablieren begann, blieb Farkas, der nie ein dezidiert politisch agierender Künstler gewesen war, bis zum Schluss dem Humor der "guten alten Zeit" treu. Das Geheimnis dieses Humors definierte der Feuilletonist und Schriftsteller Theodor Ottawa einmal so: "Farkas stichelt, ohne zu verletzen, er trifft den Nagel auf den Kopf, ohne eine Gehirnerschütterung hervorzurufen. Aber immer verursacht er eine akute Reizung des Zwerchfells ... "

Als "Das Lachen des Jahrhunderts" bezeichnete Maxi Böhm seinen Kollegen Karl Farkas. Abseits der Bühne allerdings wurde das komödiantische Multitalent als introvertierter, ja sogar schwermütiger Mensch beschrieben. Lachen im Privaten, so meinte einmal ein enger Vertrauter der Familie Farkas, schien für ihn überhaupt "das Allerschwierigste".

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Literatur:

Georg Markus: Karl Farkas. Sein Humor. Seine Erfolge. Sein Leben. Amalthea-Verlag, Wien, 2021. ISBN 978-3-99050-203-7

Andreas Weber (Hg.): Einer, der nicht hassen konnte. Karl Farkas. Emigration und Heimkehr. Band 1: Beiträge zu Leben und Werk. Literaturedition Niederösterreich, 2015. ISBN 978-3-902717-31-3

Hans Veigl (Hg.): Karl Farkas: "Hut auf". Gereimtes und Ungereimtes. Amalthea-Verlag, Wien, 2000

Hans Veigl (Hg.):Karl Farkas und die Zeit zwischen den Kriegen. Gereimtes & Ungereimtes. Verlag ÖKA, Graz 2021.

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