Fotoprobe zu Bernd Alois Zimmermanns Oper "Die Soldaten"

"Die Soldaten" - APA/BARBARA GINDL

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Radiokolleg - Von Bach bis Beatles

Wie der Komponist Bernd Alois Zimmermann verschiedene Welten mixte (3). Gestaltung: Christine Pawlata und Christina Höfferer

Christine Pawlata und Christina Höfferer begeben sich auf die Spuren eines der ersten deutschen Komponisten des 20. Jahrhunderts, der weltoffen dachte und arbeitete: Bernd Alois Zimmermann. Ihre Erkundung von Leben und Werk des Musikavantgardisten führt unter anderem nach Rom und nach Olevano Romano.

"Anders als seine etwas jüngeren Kollegen Karlheinz Stockhausen, Pierre Boulez oder Luigi Nono hat sich Zimmermann nie der Idee verschrieben, dass ein einziger musikalischer oder politischer Ansatz die Lösung für die kreativen Probleme der Welt sei," urteilt The Guardian. Bernd Alois Zimmermann akzeptiert die Vielfalt musikalischer Möglichkeiten in seinen postmodernen Experimenten - und er blickt auf die Generation nach sich. Dabei schöpft er aus der gesamten Musikgeschichte.

Die arkadische Villa Massimo ist der Hauptschauplatz von Bernd Alois Zimmermanns Italienerlebnis. 1957 trifft Zimmermann als erster Stipendiat in diesem brisanten kulturpolitischen Kontext in Rom ein. Gerade ist die vom Staat Italien enteignete Villa Massimo wieder an die Bundesrepublik restituiert worden. Ein großzügiges Stipendium ermöglicht es dem Komponisten unter idealen Bedingungen zu arbeiten und zu leben, frei von finanziellen Sorgen. In einem zweiten Aufenthalt in der Villa Massimo wird er auch sein Hauptwerk "Die Soldaten" fertigstellen. Die Oper gilt zunächst als unaufführbar.

Zimmermanns Verhältnis zu Rom ist zwiespältig, er ist hin und hergerissen zwischen dem pulsierenden lauten römischen Leben auf der Piazza und der konzentrierten Ruhe, die er für seine Arbeit braucht. Ein ländliches Refugium bietet ihm die Casa Baldi in Olevano Romano.

Zimmermann baut in seine Musik Zitate aus der gesamten Musikgeschichte ein, von Bach bis Debussy, von Beethoven - bis zu den Beatles. Er kommentiert, bearbeitet neu und gibt seine Weltsicht auch als Lektor für Musiktheorie an der Universität Köln und vor allem als Kompositionslehrer an der Musikhochschule Köln weiter. Die Zeit verläuft für Zimmermann nicht linear, sondern für ihn biegt sich die Zeit in einer Kugelgestalt zusammen. Dieses Denken führt ihn zu erstaunlichen musikalischen Querverbindungen.

Als dionysischen Barockmenschen beschreiben ihn Zeitgenossen, gleichzeitig ist der Komponist von Zweifel und Alltagsängsten geplagt. So konzipiert Zimmermann die Musik zu einem Puppenspiel "Das Gelb und das Grün", ein sehr heiteres Werk. In seinem letzten Werk, die ‚Ekklesiastische Aktion' tritt die innere Zerrissenheit des feinsinnigen Musikers hervor. Bernd Alois Zimmermann inspiriert. "Er war sehr humorvoll, er konnte das Leben sehr genießen. Er ist gerne in der Natur gewesen, er hat sich gern bewegt," erzählt Bettina Zimmermann, die Tochter des Komponisten.

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Sendereihe

Playlist

Komponist/Komponistin: Alois Zimmermann
Titel: Metamorphose
Ausführende: Angelika Luz
Label: wergo

Komponist/Komponistin: Bernd Alois Zimmermann
Titel: Das Grün und das Gelb
I: Fred Schneckenburger
Label: unveröffentlichtes Archivmaterial

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