Pallas Athene

AFP/ALEXANDER KLEIN

Punkt eins

Der Wettstreit um das bessere Wissen

Wie Wissenskonflikte die Demokratie lähmen.
Gast: Prof. Dr. Alexander Bogner, Soziologe und Technikfolgenforscher, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Moderation: Andrea Hauer.
Anrufe kostenlos aus ganz Österreich unter 0800 22 69 79
E-Mails an punkteins(at)orf.at

Coronakrise, Impfkontroverse, Klimastreit, Kriminalitätsdebatte - in den heutigen Wissensgesellschaften werde hauptsächlich über Zahlen, Fakten und Daten gestritten, statt über Werte und Weltanschauungen, kritisiert der deutsche Soziologe Alexander Bogner und Präsident der "Österreichischen Gesellschaft für Soziologie" in seinem Essay "Die Epistemisierung des Politischen. Wie die Macht des Wissens die Demokratie gefährdet".

Politik sei für viele Menschen - in politischen wie Alltagsdiskussionen - zu einer Sache des besseren Wissens oder der "richtigen" Erkenntnis geworden und werde oft auch so verhandelt: recht hat, wer sich auf die besten Studien und ExpertInnen stützt. Dadurch würde aus vielen Diskussionen ein "endloses Gezänk", meint der Soziologieprofessor, der mit seinem Essay kürzlich den Essaywettbewerb der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gewonnen hat.

Alexander Bogner spricht von einer "Epistemokratie", der "Herrschaft der Wissensförmigkeit". Im Grunde, meint er, würden viele der Wissenden oder "Besserwisser" anderen Menschen die Teilhabe an der Politik am liebsten absprechen. Das treibe verschiedene Gruppen auseinander oder noch mehr in ihre eigenen (Wissens-)Welten und lähme die Demokratie: "Der typisch wissenschaftliche Traum von einer Rationalisierung der Politik läuft darauf hinaus, der Politik das typisch Politische auszutreiben, nämlich die Aushandlung von Interessenkonflikten und das mühsame Ringen um tragfähige Kompromisse."

Andrea Hauer spricht mit Alexander Bogner über den Wettstreit um Wissen, Werte und Weltanschauungen, ob man all das tatsächlich trennen kann und wie aus dem "endlosen Gezänk" eine fruchtbare politische Diskussion entstehen kann.

Wie immer sind die Hörer*innen herzlich eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen. Unter 0800 22 69 79 können Sie live und kostenlos aus ganz Österreich mitreden, oder Sie schreiben ein E-Mail an punkteins(at)orf.at

Service

Alexander Bogner: Die Epistemisierung des Politischen. Wie die Macht des Wissens die Demokratie gefährdet. Reclam, 2021.

Sendereihe

Playlist

Urheber/Urheberin: Georg Friedrich Händel
Titel:
Suite No. 1 in B-Flat Major, HWV 434, 1. Satz (Prélude)
Ausführender/Ausführende: András Schiff, Klavier
Länge: 01:45 min
Label: DG

Urheber/Urheberin: Georg Friedrich Händel
Titel:
Suite No. 1 in B-Flat Major, HWV 434: 2.Satz (Sonata)
Ausführender/Ausführende: András Schiff, Klavier
Länge: 01:29 min
Label: DG

Urheber/Urheberin: Georg Friedrich Händel
Titel:
Suite No. 1 in B-Flat Major, HWV 434: 4. Satz (Menuet)
Ausführender/Ausführende: András Schiff, Klavier
Länge: 02:49 min
Label: DG

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