Nervenzellen eines Gehirns

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Über die Augen das Unbewusste betreten

1. Brainspotting - Über die Augen das Unbewusste betreten

In den späten 1980er Jahren entwickelte die New Yorker Psychologin Dr.in Francine Shapiro eine psychotherapeutische Methode, die gleichermaßen einfach und sehr effektiv ist. Beim so genannten Eye Movement Desensitization and Reprocessing, kurz EMDR, werden durch rasche, rhythmische Augenbewegungen, akustische Signale und Berührungen die rechte und linke Gehirnhälfte stimuliert. Währenddessen denken die Klienten an ein für sie belastendes Ereignis. Das Erstaunliche: Schon nach kurzer Zeit kann sich der Leidensdruck verringern. Ursprünglich wurde EMDR nur zur Therapie der Posttraumatischen Belastungsstörung eingesetzt. Mittlerweile werden damit aber auch unter anderem Depressionen, Angststörungen, chronische Schmerzen und psychophysische Erschöpfungssyndrome behandelt.

Heute wollen wir Ihnen eine Technik vorstellen, die aus dem EMDR weiterentwickelt wurde und weltweit aufgrund ihrer Effektivität immer mehr Anhänger findet - das Brainspotting. Damit lassen sich psychische und physische Symptome nach emotionalen Verletzungen und traumatischen Erlebnissen behandeln. In den vergangenen anderthalb Jahren haben Brainspotting-TherapeutInnen die Erfahrung gemacht, dass die Technik auch dabei helfen kann, mit der Corona-Krise bzw. sogar mit Folgen einer Infektion - Stichwort Long Covid - besser umzugehen.

Nora Kirchschlager hat für folgenden Beitrag mit Mag.a Monika Baumann, der Leiterin von Brainspotting Austria und mit der Ärztin und Osteopathin Dr.in Edith Pöll-Powondra gesprochen.

2. Pionier der Familientherapie - Zum hundersten Geburtstag von Paul Watzlawick

Paul Watzlawick wäre am kommenden Sonntag hundert Jahre alt geworden. Verstorben ist er 2007. Er war ein vielseitig interessierter und begabter Mann und hat unter anderem das Konzept der Familientherapie in führender Position mitentwickelt. Seine prägnanten Kernsätze wie "Man kann nicht Nicht-Kommunizieren" oder "Die Lösung kann das Problem sein" prägten auch sein Konzept der Behandlung von Schwierigkeiten in einer Familie.

Wieso verstehen sich manche Familien besser als andere? Wieso streiten viele Paare dauernd, während andere scheinbar durchgehend auf Wolke 7 schweben?
Diesen Fragen ging der Kärntner Paul Watzlawick bereits in den 1970er und -80er Jahren am sogenannten MRI, dem Mental Research Institute in Palo Alto/Kalifornien nach. Sein Ansatz: Die Probleme entstehen nicht immer in Person A oder B, sondern dazwischen. Also in dem System, in dem sich eine Familie befindet und der ihr eigenen Art der Kommunikation. Es sind also die unterschiedlichen Wirklichkeiten der handelnden Personen, die manche Familie in einer Konfliktspirale ohne Ende gefangen halten. Daher muss zuerst das System behandelt werden. Erst danach kann eine Besserung der Beziehungs-Probleme eintreten.

Andreas Maurer hat nach Originalaufnahmen von Paul Watzlawick zum Thema Familientherapie gesucht. Und mit Univ.-Lektor Dr. Andreas Krafack aus Wien gesprochen. Er ist klinischer Psychologe, Psychotherapeut, Lektor an der Universität Wien, Großneffe des Physikers Erwin Schrödinger und er war selbst einmal Student am MRI in Kalifornien.

Redaktion: Christoph Leprich

Service

1. Brainspotting:

Interviewpartnerinnen:

Mag.a Monika Baumann
Leiterin von Brainspotting Austria
Klinische Psychologin & Gesundheitspsychologin
Systemische Familientherapeutin
Kinder- und Jugendpsychotherapeutin
Serravagasse 6/2
1140 Wien
E-Mail
+43 676 828 77 777
Homepage

Dr.in med. Edith Pöll-Powondra
Ärztin, Ganzheitsmedizinerin, Osteopathin
Gesundheitshaus
Untere Hauptstrasse 24
3071 Böheimkirchen
ordination@doc-poell.com
0680/21 48 318
Homepage

Info-Links und Buch-Tipps:

Brainspotting Austria
Internationale Brainspotting Konferenz 2021
Brainspotting International

Monika Baumann, "Brainspotting with Children and Adolescents: An attuned treatment approach for effective brain-body healing", Mag. Monika Baumann 2020

David Grand, "Brainspotting - Wie Sie Probleme, Traumata und emotionale Belastungen gezielt auflösen", VAK 2015

2. Paul Watzlawick:

Interviewpartner:

Univ.-Lektor Dr. Andreas Krafack
Klinischer Psychologe, Psychotherapeut und Universitätslektor an der Universität Wien; ehemaliger Student am Mental Research Institute (MRI) in Palo Alto Kalifornien; Großneffe Erwin Schrödingers
Gluckgasse 3/17, A-1010 Wien
Homepage

Bücher:

Andrea Köhler-Ludescher, "Paul Watzlawick. Die Biografie. Die Entdeckung des gegenwärtigen Augenblicks", hogrefe 2014

Jessica Röhner/Astrid Schütz, "Essenzen - Im Gespräch mit Paul Watzlawick", Hogrefe Verlag 2021

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