Ein Alpensee.

RAINER KURMAYER

Vom Leben der Natur

Die Algenpopulationen der großen Alpenseen

Der Gewässerbiologe Rainer Kurmayer über Mikroplankton und Klimawandel.
Teil 3: Die Ausbildung von stabilen Wasserschichten
Gestaltung: Thomas Thaler

Ab den 1950er Jahren begannen viele der bekannten Seen um die Alpen zu kippen. Der Eintrag von Stickstoff und Phosphor durch ungeklärte Abwässer wirkte wie Dünger für die mikroskopisch kleinen Algen im Seewasser. Diese Mikroorganismen sind wirklich sehr klein, ein Milliliter enthält Hunderttausend bis eine Million Zellen. Steigt ihre Zahl an, wird das als "Eutrophierung" bezeichnet.

Ab den 1970er Jahren wurden die Folgen der zunehmenden Eutrophierung in vielen Seen sichtbar. Die hohe Bioproduktion führte etwa dazu, dass sehr viele abgestorbene Algen in tiefe Seeschichten absanken, und dort zersetzt wurden. Dabei wurde vermehrt Sauerstoff verbraucht, am Seegrund entstanden Regionen, die fast sauerstofffrei waren. Fischarten, die dort ihre Eier ablegten, konnten sich nicht mehr vermehren. Als Reaktion wurden Ringkläranlagen gebaut. Die meisten Seen hatten dadurch bald wieder eine Wasserqualität, die nahe am natürlichen Zustand war. Damit stellten sie auch optimale Badegewässer dar.

In den letzten Jahren mehrten sich die Hinweise, dass der Klimawandel negative Auswirkungen auf das Gleichgewicht der Seen haben könnte. Die längere Vegetationsperiode und die stabilere Schichtung des Wasserkörpers führen dazu, dass sich die Algen wieder stärker vermehren. Es kommt auch zu Verschiebungen bei der Artenzusammensetzung der Algenpopulation, die es genau zu beobachten gilt.

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GESPRÄCHSPARTNER:

Univ.-Prof. Dr. Rainer Kurmayer
Universität Innsbruck
Forschungsinstitut für Limnologie, Mondsee

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