Joseph Bologne

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Radiokolleg - Ein schwarzer Mozart aus der Karibik

Joseph Bologne, Chevalier de Saint-Georges (4). Gestaltung: Thomas Mießgang

In der woken Gegenwart erzeugt der Name Joseph Bologne ganz andere Resonanzen als in früheren Zeiten. Der als ´schwarzer Mozart` apostrophierte Geigenvirtuose, Komponist und Dirigent ist ein Beispiel dafür, wie People of Color in der manifest rassistischen französischen Gesellschaft am Aufstieg gehindert wurden und sich gegen Widerstände aller Art durchsetzen mussten. Gleichzeitig durchweht aber auch ein Hauch von "Bridgerton" die phantastische Lebensgeschichte des dunkelhäutigen Mannes, der auch als Chevalier de Saint-Georges bekannt wurde.

Joseph Bologne, geboren 1745 in Gouadeloupe als Kind einer Verbindung des Plantagenbesitzers George de Bologne de Saint-Georges und seiner Sklavin Anne Nanon, gelangte schon als Kind mit seiner Mutter nach Frankreich, wo er Fechtunterricht erhielt und eine musikalische Ausbildung begann. Mit 17 Jahren wurde er in die "Garde du corps du roi" in Versailles aufgenommen. Parallel dazu führte er auch seine Laufbahn als Violinvirtuose und Komponist unter wohlwollender Protektion des Orchesterleiters Francois-Joseph Gossec fort. Bald entwickelte sich Bologne zu einem produktiven Komponisten, der Sinfonien, Violinkonzerte, Sonaten und Opern, die Einflüsse der Mannheimer Schule und von Joseph Haydn erkennen ließen - vieles davon ist allerdings in den Irrungen und Wirrungen der Zeitläufte verlorengegangen.

Die vermeintliche Modellkarriere des Mannes, der auch abgesehen von seiner musikalischen Exzellenz in der Pariser Gesellschaft als Schwimmer und Eisläufer gute Figur machte und, wie es die biographische Literatur verzeichnet, das Interesse zahlreicher hochgestellter Damen erweckt haben soll, verlief allerdings nicht so geradlinig wie seine vielen Erfolge glauben machen. Als er 1776 als musikalischer Direktor der Académie Royale de musique im Gespräch war und plante, diese zu reformieren, scheiterte er am Widerstand einiger Künstlerinnen, die sich weigerten, unter einem "Mulatten" zu singen. Dies war ein Muster, das sich mehrfach wiederholen sollte.

Warum es dem Sohn einer Sklavin trotzdem gelang, an die Spitze der französischen Gesellschaft durchzubrechen, erklärt sein Biograph Pierre Bardin so: "Es ist unbestritten, dass er talentiert war, aber seine angeborenen Fähigkeiten wurden noch dadurch verstärkt, dass er einen unbändigen Willen zum gesellschaftlichen Avancement hatte: Er musste in seinen Leistungen nicht nur besser als die Weissen sein, sondern über allen stehen, um die Rassenschranke durchbrechen zu können."

Die Geschichte von Joseph Bologne, der ab einem bestimmten Punkt den Namen und den Titel seines Vaters übernommen hatte, ist die eines Mannes mit vielen Talenten, der schließlich in der Französischen Revolution sogar eine eigene Truppe mit ausschließlich schwarzen Soldaten befehligt. Ein Renaissancemensch in der Epoche der Aufklärung, der es nicht in den Kanon der westlichen Musik geschafft hat. Ein fast Vergessener, der immer wieder neu entdeckt werden muss.

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  • Thomas Mießgang

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