Bildnis der Nonne Edith Stein an einem Baugerüst

APA/AFP/GERARD JULIEN

Gedanken für den Tag

Die Schauspielerin Hilde Dalik liest Texte von Edith Stein

"Es ist die Aufgabe eines jeden Menschen, zu sich selbst zu kommen". Anlässlich deren 130. Geburtstages, Texte der selbstgewussten und modernen Denkerin

Die Heilige und von den Nazis ermordete Märtyrerin Edith Stein wurde 1891 im niederschlesischen Breslau als jüngstes von elf Kindern einer jüdisch-orthodoxen Familie geboren. Als 14-Jährige erklärte sie sich als Atheistin. Nach dem Ersten Weltkrieg wandte sich Edith Stein - inspiriert durch die Schriften der heiligen Teresa von Ávila - wieder dem Gottesglauben zu und ließ sich 1922 katholisch taufen. 1933 trat sie in den Orden der Karmelitinnen ein. Über ihre persönliche Entwicklung schreibt sie durchaus selbstkritisch zu Beginn der 1930er-Jahre in ihrer Autobiographie "Aus dem Leben einer jüdischen Familie":

"Ich war an gar keinen Tadel mehr gewöhnt. Zu Hause wagte mir kaum jemand etwas zu sagen; meine Freundinnen hingen mit Liebe und Bewunderung an mir. So lebte ich in der naiven Selbsttäuschung, dass alles an mir recht sei: wie es bei ungläubigen Menschen mit einem hochgespannten ethischen Idealismus häufig ist. Weil man für das Gute begeistert ist, glaubt man, selbst gut zu sein. Ich hatte es auch immer als mein gutes Recht angesehen, auf alles Negative, was mir auffiel, auf Schwächen, Irrtümer, Fehler anderer Menschen, schonungslos den Finger zu legen, oft in spottendem und ironischem Ton. Es gab Leute, die mich ‚entzückend boshaft' fanden.

Ich hatte meine Einstellung zu den Menschen und zu mir selbst völlig geändert. Es kam mir nicht mehr darauf an, Recht zu behalten und den Gegner unter allen Umständen ‚unterzukriegen'. Und wenn ich noch immer einen scharfen Blick für die Schwächen der Menschen hatte, so benützte ich das nicht mehr, um sie an ihrer empfindlichsten Stelle zu treffen, sondern um sie zu schonen. Ich hatte es gelernt, dass man Menschen nur sehr selten bessert, indem man ihnen ‚die Wahrheit sagt': Das kann nur helfen, wenn sie selbst das ernste Verlangen haben, besser zu werden, und wenn sie einem das Recht zur Kritik einräumen."

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Felix Mendelssohn Bartholdy/1809 - 1847
Titel: Symphonie für Streicher Nr.6 in Es-Dur / Frühe Symphonie o.op.
* Menuetto - 2.Satz (00:04:03)
Ausführende: I Solisti Italiani
Länge: 04:03 min
Label: Denon CO 73185

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