Vladimir Horowitz

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Vladimir Horowitz im Porträt

Mit seiner Virtuosität und mit anspruchsvollen Stücken erobert der 1903 in Berditchew, Russland, geborene Vladimir Horowitz im Nu sein Publikum. Was aber hatte es mit seinen legendären Auftrittspausen auf sich - die längste zwölf Jahre lang. Mit seinen Nervenkrisen, Bühnenängsten und homosexuellen Neigungen? Ein Porträt von Renate Maurer mit Kenner/innen und Weggefährten des 1989 verstorbenen, weltberühmten Pianisten.

Er war natürlich ein Wunderkind - auch wenn er keines gewesen sein wollte. 1903 in Berditchew geboren, wurde Vladimir Horowitz in Kiew und in einer musikalischen jüdischen Familie groß. Die russische Revolution stürzte die wohlhabende Familie Gorowitz in den Ruin, weshalb er mit schon 17 sein Klavierstudium beendete und begann, Konzerte zu geben.

Mit seiner Virtuosität und mit anspruchsvollen Stücken erobert er im Nu sein Publikum. Liszt, Rachmaninow, Chopin, Schumann, Scriabin und Bach in Busoni-Bearbeitung sind seine bevorzugten Komponisten. 1926 gibt er unter dem Namen Horowitz sein Debüt in Berlin. In Hamburg springt er - ohne Probe - für eine erkrankte Pianistin ein und erlebt mit einem Tschaikowsky-Konzert seinen Durchbruch. "Am Ende lag der Flügel wie ein erstochener Drache auf dem Podium", schreibt sein Freund Abram Chasins. Danach geht es in Paris und ganz Europa weiter mit der Karriere, ab 1928 auch in Amerika.

Das Publikum ist hingerissen, Musiker und Kritiker staunen: über seine unglaubliche Fingerakrobatik, den ganz neuen Klavierklang, die Intensität seines Spiels. Über die ungewöhnliche Art, mit gestreckten Fingern zu spielen. Die nächsten Jahre reist Horowitz non-stop von einem Recital zum nächsten. 1933 heiratet er Toscaninis Tochter Wanda, mit seinem Schwiegervater Arturo Toscanini und den New Yorker Philharmonikern gibt er fulminante Konzerte. Kurz nach Kriegsbeginn zieht er für immer nach New York.

Was aber hat es mit seinen legendären Auftrittspausen auf sich - die längste zwölf Jahre lang, von 1953 bis 63? Mit seinen Nervenkrisen, Bühnenängsten, homosexuellen Neigungen? Die Schriftstellerin und Kulturhistorikerin Lea Singer hat in ihrem dokumentarischen Roman über Horowitz und seinen ersten Schüler Nico Kaufmann Ende der 1930er Jahre den Blick auf das Drama seiner verleugneten Homosexualität gelenkt. Ein Drama, das in Amerika weitergeht und zu therapeutischen Sitzungen führt, Elektroschocks mitinbegriffen.

In diesem Radiofeature von Renate Maurer ist der Maestro selbst ist in amerikanischen Interviewausschnitten zu hören, ebenso der verstorbene Musikkritiker Joachim Kaiser. Maurer hat Lea Singer zum Gespräch getroffen und die Musikkritikerin Eleonore Büning. Der amerikanische Pianist, Dozent und Radiojournalist David Dubal erzählt von seinen "Evenings with Horowitz" in dessen New Yorker Wohnung in den 1980er Jahren.

HOROWITZ
Annäherung an einen Star-Pianisten
Von Renate Maurer
Ton: Fridolin Stolz
Redaktion: Elisabeth Stratka
Interview mit David Dubal in New York: Alexander Rauscher-Nachwalger

Service

Buchtipps:
Glenn Plaskin, Horowitz, eine Biografie, Schott Music 2009
(Originalausgabe, Horowitz, 1983 William Morrow and Company)

Harold C. Schonberg, 1992, Horowitz, Ein Leben für Musik, Albrecht Knaus, 1992

David Dubal, Evenings with Horowitz, A personal portrait, Birch Lane Press 1991

Lea Singer, Der Klavierschüler, Kampa Verlag 2019, dtv 2021

Felix Schmidt, Gotteskinder und Störenfriede, Das Spiel und die Weisheit begnadeter Musiker, Schwabe Verlag 2021

Vladimir Horowitz: The Last Romantic, DVD 2000, Pioneer Video

RIAS Berlin 1978, "Die lange Nacht des Vladimir Horowitz", präsentiert von Walter Bachauer und Joachim Kaiser
Rias Berlin

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