U-Bahnstatio "Diagonal" in Barcelona

ORF/ANTON REININGER

Diagonal

Diagonal Stellt Vor - Das Magazin zum Monatsanfang

Velvet Underground und The Beatles +++ Öffentlich-rechtliches Radio +++ in memoriam Jan Tabor +++ Das Buch als Kunst +++ Adoor Gopalakrishnan

Musikdokumentarfilme: Velvet Underground und The Beatles aus der Perspektive der Kinomeister

Gleich zwei Kinoregiemeister schreiben mit ihren aktuellen Musikdokumentarfilmen legendäre Bandgeschichten um. Oder doch neu? Regisseur Peter Jackson ("Herr der Ringe") hat unveröffentlichtes Filmmaterial der Beatles, das 52 Jahren in den Tresoren der Apple Studios geholt, restauriert und zu einem achtstündigen Opus "Beatles: Get back" montiert. 1969 studierten die Beatles während 14 Tagen neue Songs in den Twickenham Studio in London für einen bevorstehenden Live-Auftritt ein. Der daraus resultierende Film "Let it be" (1970) galt als depressives Break-Up-Movie einer Bandauflösung. Die letzte große gemeinsame Session der Beatles kehrt nun als immersives optimistisches Feel-Good-Movie-Epos zurück. Regisseur Todd Haynes lieferte bereits im Kino virtuos konzipierte Pop-Fiction wie "Velvet Goldmine" und "I´m not there". Für seine "Velvet Underground"-Doku unter dem gleichnamigen Titel holt Haynes zu einem weiteren großen Wurf aus und verarbeitet New Yorker Pop und Avantgarde-Kultur zu einer cineastischen Bandgeschichte. Petra Erdmann hat Todd Haynes dazu interviewt.

Literaturkritik: Öffentlich-rechtliches Radio - ein Ort für kritische Diskurse?

In Deutschland wurden Anfang 2021 Literaturrezensionen in öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten wie dem WDR und dem NDR gestrichen. Es folgte ein Aufschrei in den Feuilletons. Wieviel Raum bleibt für die kritische Auseinandersetzung mit Literatur und anderen Kunstsparten in einem von Quoten, Märkten und Digitalisierung getriebenen öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Reichen flockig präsentierte Empfehlungsschnipsel und Servicetipps, um künstlerischen Werken und Rezipientinnen gerecht zu werden? Welches Verständnis von Öffentlichkeit wird gepflegt und was sollte ein solides und komplexes Kulturprogramm leisten? Im Studio diskutieren die Literaturkritikerin Daniela Strigl, der Medienforscher Andy Kaltenbrunner und Gerhard Ruiss, Autor und Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren. Moderation: Peter Zimmermann

In memoriam Jan Tabor - eine Würdigung

Jan Tabor, der Architekturkritiker, Publizist und Ausstellungsmacher,1944 in Nordböhmen geboren, starb Ende Oktober in Venedig, wo er die Architekturbiennale besuchte. Erst jüngst, im Sommer 2021, verfasste er mit seinem Beitrag über die Umgestaltung von Nasch- und Flohmarkt in Wien fast ein kleines "Vermächtnis" - brillant geschrieben wie es nur Tabor konnte. Früher als andere zerbrach sich Tabor den Kopf darüber, wie die Architektur der Nachkriegszeit geschützt werden könnte. Er machte sich als Kritiker beim "Kurier" und der "Arbeiterzeitung" rasch einen Namen, später schrieb er für den "Falter" und war als Meister der pointierten Formulierung in Sachen Architektur immer wieder auch Gast im Radio. 1968 als sowjetische Panzer den Prager Frühling niederschlugen, übersiedelte Jan Tabor gemeinsam mit seiner Frau nach Wien. Seine 1994 im Wiener Künstlerhaus kuratierte Ausstellung "Kunst und Diktatur" ist legendär. In seinem "Forum für experimentelle Architektur" entwickelte Tabor die Vision von URBO KUNE, einer neuen europäischen Hauptstadt ohne alle bisherigen Grenzen. Eine Würdigung Jan Tabors von Erich Klein.

Das Buch als Kunst: Der Sammler Andreas Reiter Raabe

Der Künstler Andreas Reiter Raabe sammelt Künstlerbücher. Eine Obsession wie er sagt, die er sich Mitte der 1990er Jahre in New York zugezogen hat. Er nennt Künstlerbücher demokratisch, weil man sie sich auch als interessierter, aber weniger vermögender, Sammler leisten kann. Der Grundstock seiner mehr als 2000 Objekte umfassenden, international ausgerichteten Sammlung, die inzwischen doch sehr wertvolle Exemplare umfasst, sind Bücher der Konzeptkunst. Eine Strömung, die ja nicht gerade für Witz und Humor bekannt ist, im Genre des Künstlerbuches aber viel feine Ironie und spielerische Lust parat hält. Ines Mitterer startet einen Besuch in der Sammlerbibliothek im Künstleratelier.

Adoor Gopalakrishnan zum 80. Geburtstag

Adoor Gopalakrishnan gilt als der größte lebende Autorenfilmer Indiens und gerne bezeichnet ihn die Kritik auch als würdigen spirituellen Erben des indischen Paraderegisseurs Satyajit Ray. Ursprünglich zog es den 1941 geborenen Gopalakrishnan ans Theater und es war eine glückliche Fügung, die ihn zum Film verschlug. Sein 1972 veröffentlichtes Langfilmdebüt "Swayamvaram" ("Eine eigene Entscheidung") war eine Initialzündung der "Neuen Welle" im Kino des südindischen Bundestaats Kerala, dessen jüngere Sozialgeschichte Adoor Gopalakrishnan mit ästhetischem Charme seit Jahrzehnten in feinfühlige Erzählungen webt. Zum Oeuvre des vielfach preisgekrönten Regisseurs zählen zwölf facettenreiche Langfilme, über 25 Kurz- und Dokumentarfilme sowie Publikationen zu Kino und Filmgeschichte. Heuer hat der Altmeister seinen 80. Geburtstag gefeiert. Ein Porträt von Roman Tschiedl.

Präsentation: Nicole Dietrich

Service

Archiv der Diagonal-Reihe "Das Buch als Kunst"

Jan Tabor über die Umgestaltung von Wiener Nasch- und Flohmarkt

Adoor Gopalakrishnan

Oskar-Kokoschka-Preis 2022

This Human World, 6.-12.12.2021

Margot Pilz. Selbstauslöserin, Kunsthalle Krems

"Velvet Goldmine", Regie: Todd Haynes, 2021 ist auf Netflix erschienen

"Beatles: Get Back", Regie: Peter Jackson, 2021 ist auf disney+ erschienen

Lalit Mohan Joshi & C.S.Venkideswaran (Hg.), "A Door to Adoor", South Asian Cinema Foundation

Gautaman Bhaskaran, "Adoor Gopalakrishnan - A Life in Cinema", Penguin Books

Suranjan Ganguly, "The Films of Adoor Gopalakrishnan", Anthem Books

Parthajith Barua, "Face to Face. The Cinema of Adoor Gopalakrishnan", Harper Collins

Lawrence Weiner, "WHEREWITHALL. WAS ES BRAUCHT". Katalog, herausgegeben von Kunsthaus Bregenz, 2017

Friedrich Achleitner, "wortgesindel". Zsolnay Verlag, 2015

Friedrich Achleitner, "Ohne Sense. Mach keine Sprüche". In: "Facetten 2018". Literarisches Jahrbuch der Stadt Linz. Bibliothek der Provinz, 2019

Sendereihe

Playlist

Komponist/Komponistin: Damon Albarn
Album: The Nearer the Fountain, More Pure the Stream Flows
Titel: The Tower of Montevideo
Ausführende: Damon Albarn
Länge: 03:19 min
Label: Transgressive Records

Komponist/Komponistin: Lou Reed
Album: I´ll be your mirror - A tribute to Velvet Underground and Nico
Titel: Femme Fatale
Ausführende: Sharon van Etten
Länge: 03:38 min
Label: Verve Records

Komponist/Komponistin: Lisa Kainde Diaz
Titel: Made of Gold feat. Pa Salieu
Ausführende: Ibeyi
Länge: 03:34 min
Label: XL RECORDINGS

Komponist/Komponistin: Andreas Binder
Titel: Bonjour Tristesse
Ausführende: Salò
Länge: 03:30 min
Label: MOM I MADE IT

Komponist/Komponistin: B. Bacharach, H. David
Album: The Bridal Suite (2018)
Titel: Close to you
Ausführende: Oskar Aichinger, Franz Koglmann
Länge: 02:50 min
Label: Handsemmel Records

Komponist/Komponistin: Peter T. Getourt
Album: Volume II
Titel: Ja ja ja
Ausführende: Euroteuro
Länge: 03:45 min
Label: Siluh Records

Komponist/Komponistin: Ryuichi Sakamoto
Album: EP3
Titel: Aqua (from Playing Piano for the Isolated)
Ausführende: Ryuichi Sakamoto
Länge: 03:34 min
Label: Ninja Tune

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