Zerstörter Landstrich in Kentucky

APA/AFP/CHANDAN KHANNA

Praxis - Religion und Gesellschaft

Rabbiner, Cowboy und Amish

Hilfe für Tornado-Opfer in Kentucky +++ Rabbinerinnen in Deutschland +++ Auf dem rechten Auge blind? - Verschwörungsmythen unter Christ/innen

1. Rabbiner, Cowboy und Amish - Hilfe für Tornado-Opfer in Kentucky

"Das Unglaublichste war ein Güterzug - und der Tornado hatte ihn umgeweht. Fünf, sechs Waggons, mit Kohle beladen. Was für ein Gewicht! Einfach umgeworfen und die Kohle überall verstreut", erzählt Rabbiner Chaim Litvin fassungslos. In der Nacht vom 10. auf den 11. Dezember 2021 fegten insgesamt 68 Tornados über die US-Bundesstaaten Arkansas, Tennessee und Kentucky. 90 Menschen verloren ihr Leben, Tausende ihr Haus und alles Hab und Gut. Einen Monat nach der Katastrophe gehen die Aufräumarbeiten weiter. Viele Betroffene wohnen noch in Hotels oder bei Verwandten und Freunden. Ihre Häuser sind zerstört, der Aufbau wird lange dauern. Mit Lastwagen werden Kleidung, Lebensmittel und andere Hilfsgüter zu ihnen transportiert. Neben Rabbiner Chaim Litvin ist auch "Cowboy" Dave Graham, den sein christlicher Glaube motiviert, unter den unzähligen Freiwilligen, die neben den großen Hilfsorganisationen tätig sind. Auch die lokale Amish-Community hilft zusammen, um zerstörte Scheunen und Wohnhäuser wieder aufzubauen. Rebecca Hillauer berichtet aus Kentucky.

Chaim Litvin
Amish Kentucky
Tornados in Kentucky
Opferzahl
Biden in Kentucky


2. Rabbinerinnen in Deutschland

"Ich hab gesehen, was man da für tolle Sachen studieren kann - Geschichte, Religion, Sprache. Dann habe ich zu meinem Mann gesagt: ‚Möchtest Du das nicht machen?' Er darauf: ‚Nein, aber mach Du das doch'. Erst haben wir alle gelacht, aber dann dachte ich: Das ist genau das Richtige für mich!", erzählt die 38-jährige Jasmin Andriani über ihr Studium am Abraham Geiger Kolleg, der Rabbinerschule in Potsdam.

Im traditionellen orthodoxen Judentum ist das religiöse Leben bis heute von Männern dominiert: Männer beten und lehren, während Haushalt und Kinder eher den Frauen obliegen. Alte Rollenbilder, die immer mehr Frauen weltweit in Frage stellen, ihren Glauben selbstberechtigt ausüben und ihn auch lehren wollen. In Deutschland gibt es inzwischen neun Rabbinerinnen.

Vor fünf Jahren wurde die gebürtige Berlinerin Ulrike Offenberg in Jerusalem zur Rabbinerin ordiniert - es sei ein Herzenswunsch gewesen, erzählt sie, den sie sich als überzeugte Feministin unbedingt erfüllen wollte: "Judentum ist nichts Museales, es hat immer Einflüsse der Umgebung aufgenommen und sich darum bemüht, Menschen zu begleiten. Deshalb ist es auch möglich, meinen Feminismus mit dem Judentum zu verbinden. Obwohl es von seinen Ursprüngen her eine patriarchal strukturierte Religion ist, finden Frauen darin ihren Platz und im liberalen Judentum auch ihren gleichberechtigten Platz." Als Vorbild nennt Rabbinerin Ulrike Offenberg Regina Jonas. 1935 wurde die Berlinerin zur weltweit ersten Rabbinerin ordiniert. - Gestaltung: Verena Gleitsmann

abraham-geiger-kolleg
"Religionen der Welt": Die Rabbinerin
Medienarchiv-Judentum


3. Auf dem rechten Auge blind? - Verschwörungsmythen unter Christ/innen

Zehntausende Menschen versammeln sich nun schon seit längerer Zeit beinahe wöchentlich in ganz Österreich, um gegen die Corona-Maßnahmen zu demonstrieren. Teilnehmerinnen und Beobachter betonen, dass es größtenteils besorgte Bürgerinnen und Bürger seien, die ihren Protest auf die Straße tragen, doch gehen sie jedes Mal Seite an Seite mit rechtsextremen Gruppierungen wie den Identitären oder Staatsverweigerern und meist sind auch Demonstranten dabei, die ihren Protest offenkundig religiös-christlich begründen.

Plakate mit Aufschriften wie "Christi Blut wird uns heilen" oder in den USA gesehen: "I'm vaccinated with the blood of Jesus Christ" zeugen davon. Distanzieren sich christliche Kirchen, allen voran die katholische, ausreichend von radikalen Gruppen und deren Haltungen oder sind sie - wie es der katholische Theologe und Ethiker Gunter Prüller-Jagenteufel ausdrückt - auf dem "rechten Auge blind"? Erst kürzlich hat etwa der deutsche Kardinal und ehemalige Glaubenspräfekt Ludwig Müller mit Verschwörungsmythen mit antijüdischen Versatzstücken für Kritik gesorgt. - Gestaltung: Judith Fürst

Kardinal Müller verbreitet Verschwörungsmythen
Bischof: Kritik an Müllers Verschwörungsmythen
Rabbiner kritisieren Müllers Verschwörungsmythen
Gunter Prüller-Jagenteufel

Sendereihe

Gestaltung