Passanten

AP/MARK LENNIHAN

Punkt eins

Des Menschseins Kern und Klebstoff

Vom Zusammenhalt, der Solidarität und den Bindekräften der Gesellschaft.
Gäste: ao. Univ.-Prof. i.R. Dr. Alfred Pfabigan, Philosoph, Gründer und Leiter der Philosophischen Praxis Märzstrasse & Dr. Barbara Rothmüller, Soziologin, Sigmund-Freud-Universität Wien und Universität Wien.
Moderation: Barbara Zeithammer.
Anrufe kostenlos aus ganz Österreich unter 0800 22 69 79
E-Mails an punkteins(at)orf.at

Manche sehen das Ende des Individualismus gekommen und beobachten den Keim einer neuen Wir-Kultur und eines neuen Miteinanders. Andere bemerken, wie sich der Zusammenhalt ins Private und den engsten Kreis verschiebt und innerhalb der Gesellschaft verdorrt. Die einen bemühen große Begriffe wie "Solidarität" auch als Appell, um Rechtsvorschriften moralischen Gehalt zu geben. Die anderen bedienen sich an der Kriegsrhetorik und dem gemeinsamen Feind SARS-Cov-2, um ein Gemeinschaftsgefühl zu beschwören.

Im bald dritten Jahr der Pandemie ist klar: das Virus ist nicht der große Gleichmacher, auch kein Lehrmeister und der Mensch keine Insel, sondern in einer Form von anderen Menschen und ihrer Bereitschaft, sich solidarisch zu zeigen, abhängig, die erst durch die Krise und ihre Folgen offenkundig geworden ist. Doch von der anfänglichen, für Krisen und Katastrophen typischen Solidarität und Hilfsbereitschaft ist nicht viel geblieben und der beinahe schon pathologische Befund der Entsolidarisierung und die Klagen über eine Spaltung, diverse Gräben und Risse in der Gesellschaft sind eine "neue Normalität" geworden.

Fest steht: der Mensch als zoon politikon ist auf Gemeinschaft angelegt, doch dass diese harmonisch oder konfliktfrei sei, ist naiv. Zusammenhalt dagegen ist schwer fassbar und der Begriff Solidarität mit derart vielen Bedeutungen gefüllt, dass er auch nicht zu erfassen scheint, worum es im gelingenden Zusammenleben einer vielfältigen und modernen Gesellschaft aktuell geht.

Wie viel Zusammenhalt ist überhaupt möglich, wie viel brauchen wir und worin besteht der soziale Kitt, der - typisch für Krisen - aktuell mehr denn je beschworen wird? Wie lässt sich Zusammenhalt fassen, fördern und erhalten? Welche Entwicklungen gefährden ihn und wie lässt sich verhindern, dass er selbst zur Gefahr wird?

Diese Fragen diskutieren der Philosoph Alfred Pfabigan und die Soziologin Barbara Rothmüller als Gäste bei Barbara Zeithammer.

Barbara Rothmüller erforscht seit dem ersten Lockdown, wie es Menschen in der Pandemie miteinander geht und wie sie den Zusammenhalt in der Gesellschaft erleben; aktuell arbeitet sie an einer Publikation über soziale Polarisierung. Alfred Pfabigan begleitet in seiner Philosophischen Praxis seit Jahren Menschen auf der Suche nach dem "guten Leben" und spürt in seinen Büchern immer wieder Fragen nach, die darum kreisen, in welcher Gesellschaft wir eigentlich leben wollen.

Die Hörer:innen sind wie immer herzlich eingeladen, sich konstruktiv an der Diskussion zu beteiligen: unter 0800 22 69 79 kostenfrei aus ganz Österreich oder per E-Mail an punkteins(at)orf.at

Am 13. Jänner um 13 Uhr startet die bundesweite Kampagne und Initiative "Du+ich=Österreich" vom Österreichischen Roten Kreuz (ÖRK), der Österreichischen Ärtzekammer (OAK), der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) und dem ORF. Alles über die neue Plattform für Dialog und Zusammenhalt in Österreich und Mitmachmöglichkeiten finden Sie unter #Lasstunsreden

Service

Buchhinweis:

Alfred Pfabigan: Philosophie hilft! Alltag und Theorie zwischen Sokrates und Freud in der Philosophischen Praxis Märzstraße. Verlag Vitolibro Vito von Eichborn, 2021

Philosophische Praxis Märzstrasse
Barbara Rothmüller

Gemeinsam mit dem Österreichischen Rote Kreuz (ÖRK), der Österreichischen Arztekammer (OAK) und der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) startet der ORF am 13. Jänner die Initiative "Du+lch=Österreich" - #lasstunsreden und initiiert eine http://www.lasstunsreden.at/Plattform für Dialog und Zusammenhalt in Österreich

Sendereihe

Playlist

Komponist/Komponistin: Galina Vracheva
Vorlage: Ludwig van Beethoven/1770 - 1827
Titel: Klavierfantasie über Beethovens Symphonie Nr.9 in d-moll op.125 mit dem Schlußchor über Schillers Ode "An die Freude"
Ausführender/Ausführende:
Galina Vracheva
Länge: 02:34 min
Label: Solo Musica

Urheber/Urheberin: Bill Withers
Titel: Lean on me
Solist/Solistin: Bill Withers/Gesang m.Begl.
Länge: 04:18 min
Label: Ariola

Ludwig van Beethoven
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Friedrich Schiller
Titel: Symphonie Nr.9 d-moll op.125 mit Schlußchor "An die Freude"
Orchester: Wiener Philharmoniker
Leitung: Claudio Abbado/1933
Chor: Konzertvereinigung Wiener Staatsoper
Chor: Walter Hagen Groll
Solist/Solistin: Gabriela Benackova/Sopran, 1947
Solist/Solistin: Marjana Lipovsek/Alt, 1946
Solist/Solistin: Gösta Winbergh/Tenor, 1943
Solist/Solistin: Hermann Prey/1929 - 1998
Länge: 04:06 min
Label: DG

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