Sabine Derflinger

LUKAS BECK

Gedanken für den Tag

Sabine Derflinger über Frauenrechte sind Menschenrechte - weltweit

"Frauengeschichte und Frauenrechte" - Gedanken zum Internationalen Frauentag von Sabine Derflinger, Filmregisseurin

In Ländern, in denen in den 1970er und 80er Jahren, soziale Absicherungssysteme und Familienrechte durchgesetzt wurden, sind die Positionen von Frauen gesicherter, als in Ländern, in denen das nicht der Fall ist. Gewalt gegen Frauen wurde nicht mehr toleriert und Vergewaltigung in der Ehe verboten. Der Mann wurde als Familienoberhaupt abgesetzt und die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau festgeschrieben.
Die vorwiegend weißen Frauen der historischen Frauenbewegungen haben erlebt, wie die Frauenfrage im Klassenkampf und im Kampf gegen Rassendiskriminierung zum Nebenwiderspruch erklärt wurde, das gilt insbesondere für die Kämpfe um das Wahlrecht, das die Frauen in Österreich erst 1918 und die amerikanischen weißen und schwarzen Frauen erst 50 Jahre nach den schwarzen Männern erwirkt haben, obwohl sie gemeinsam gekämpft hatten.

Schwarze Frauen, indigene Frauen und asiatische Frauen begreifen ihre Nichtgleichberechtigung als Folge der imperialistischen, weißen, kapitalistischen, patriarchalen Vorherrschaft. Also fordern sie mit Recht einen Feminismus der Klasse und Race miteinbezieht. Die Skepsis von Frauen, die fürchten, dass die Frauenfrage, wie so oft in der Geschichte ins Hintertreffen geraten könnte, interpretieren sie als Rassismus. Weiße Feministinnen, die der Gender- und Race-Theorie folgen, grenzen sich von den Skeptikerinnen in ihren Reihen ab.

Manche, sich als modern bezeichnende Feministinnen, flüchten sich in einen Lifestyle-"Ich bin sexy und erfolgreich"-Feminismus, um sich zwischen den Fronten in Sicherheit zu wiegen. Bedroht wird das Erreichte, weltweit von Fundamentalisten und Fundamentalistinnen bedeutender Weltreligionen. Je mehr Einfluss sie auf die Politik haben, desto schwieriger wird eine gleichberechtige Situation von Frauen in dem jeweiligen Land.
Meiner Meinung nach wird es helfen, wenn Frauen mit fortschrittlichen Männern der jeweiligen Glaubensgemeinschaften, die aus alten Zeiten stammenden Regelwerke, die zu jeder Glaubenslehre gehören, reformieren, wie es zum Beispiel in anglikanischen Kirchen und im modernen Judentum schon geschehen ist. Ich denke da an das Selbstbestimmungsverbot von Frauen über ihre Körper, Akzeptanz von Gewalt gegen Frauen, die Benachteiligung in diversen rechtlichen Belangen und die gewünschte Abhängigkeit von Frauen von Ehemännern. Dass das nicht verändert werden darf, wird oft mit kulturellen Eigenheiten, die man einem Land zuschreibt, argumentiert.

Ich möchte in Erinnerung rufen, dass einige Eigenheiten, die auch mal hierzulande galten, überwunden wurde, wenn auch überwunden Geglaubtes wieder schmerzlich auftaucht, siehe die erschreckende Anzahl von Femiziden in Österreich. Wo das internationale Nichthinschauen hinführt, sehen wir in Amerika, in Polen, in der Türkei, im Iran. Oder in Afghanistan, wo die Frauen im letzten Jahr unsichtbar gemacht wurden. Der Sturm der weltweiten Entrüstung ist schnell verebbt. Es scheint so, als haben Frauen Angst ihre Solidarität, könnte als kolonial motiviert oder rassistisch missinterpretiert werden? Frauenrechte sind Menschenrechte, und die gelten weltweit und dafür gilt es sich wieder zu engagieren.

Service

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Sendereihe

Gestaltung

Übersicht

Playlist

Komponist/Komponistin: Björk Gudmundsdottir
Komponist/Komponistin: Sjon Sigurdsson
Komponist/Komponistin: Lars von Trier
Album: LUCKY TO BE ME
Titel: I've seen it all/instr. / aus dem Film "Dancer in the dark"
Solist/Solistin: Taylor Eigsti
Ausführender/Ausführende: Eric Marienthal
Ausführender/Ausführende: Greg Adams
Ausführender/Ausführende: James Genus
Ausführender/Ausführende: Billy Kilson
Ausführender/Ausführende: Taylor EIGSTI 24.9.1984 Menlo Park, Kalifornien
Länge: 05:32 min
Label: Concord Jazz/Universal 3122992

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