Gabriele Rasuly-Paleczek

privat

Im Gespräch

Zentralasien-Expertin Gabriele Rasuly-Paleczek

"Faszination Orient."
Judith Brandner im Gespräch mit der Weltenbürgerin, Zentralasien-Expertin und Humanistin Gabriele Rasuly-Paleczek

Auf dem "Hippie-Trail" nach Indien besuchte Gabriele Rasuly-Paleczek Mitte der 1970er Jahre erstmals Afghanistan. Vor allem in der Hauptstadt Kabul konnten sich damals Frauen frei bewegen, an die Universität gehen und ein westlich-orientiertes Leben führen. Beim Studium in Wien lernte Rasuly-Paleczek ihren späteren Ehemann kennen, einen gebürtigen Afghanen aus der ethno-linguistischen Gruppe der Usbeken.

Die private Verbindung vertiefte das Interesse für Afghanistan und ermöglichte Einblicke in die afghanische Gesellschaft. Gemeinsam mit ihrem Mann leistete sie Pionierarbeit in der österreichischen Afghanistanhilfe: In den 1980er Jahren war sie an der Gründung des "Hilfskomitees für Afghanistan" ebenso beteiligt, wie an der Aufnahme von kriegsverletzten Kindern in Österreich oder der Errichtung von Schulen in Afghanistan. Humanitäres Engagement und Forscherdrang führten sie in afghanische Flüchtlingslager in Pakistan oder der Türkei. Die 1956 in Linz geborene Rasuly-Paleczek befasste sich als Sozialanthropologin und Turkologin zunächst mit der türkischen Gesellschaft und führte Feldforschungen in West-Anatolien durch. Seit mehr als vierzig Jahren beobachtet sie die unterschiedlichen Phasen der afghanischen Migration nach Österreich.

Für eine 2017 durchgeführte Studie über die Wertehaltungen und Erwartungen von Flüchtlingen in Österreich erstellte sie das Kapitel über afghanische Flüchtlinge. 2020 war sie Co-Autorin eines Buches über Afghanische Flüchtlinge - Perspektiven von Integration, Inklusion und Zusammenleben. Gabriele Rasuly-Paleczek hat in aller Welt, von Europa, über die USA, bis hin zur Türkei, Usbekistan, Kasachstan oder Tadschikistan geforscht und gelehrt. In Österreich fühlt sich die Weltenbürgerin, die vor kurzem emeritiert ist, vor allem vom Salzkammergut angezogen.

Wie konnte es zur heutigen Situation in Afghanistan kommen? Wie funktioniert die ethno-linguistisch und sozio-ökonomisch äußerst heterogene Gesellschaft? Welche Folgen haben Krieg, Flucht und Displacement auf die Gesellschaft, vor allem auf die Frauen? Darüber und über ihre Faszination für den Orient spricht Judith Brandner mit Zentralasien-Expertin Gabriele Rasuly-Paleczek.

Service

Nahid Shahalimi, Wir sind noch da! Mutige Frauen aus Afghanistan, mit einem Vorwort von Margaret Atwood, erschien 2021 im Elisabeth Sandmann Verlag

Der von G. Rasuly-Paleczek (2020) als Co-Autorin verfasste Band, Afghan/inn/en in Österreich - Perspektiven von Integration, Inklusion und Zusammenleben: ISR-Forschungsbericht 52

Und im ISR-Forschungsbericht 49 Die lange Dauer der Flucht - Analysen aus Wissenschaft und Praxis, erschien Gabriele Rasuly Paleczeks Studie "Mobilität als Überlebensstrategie: Die lange Fluchtmigration der Afghan/Inn/en

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