Zwischenruf
Sr. Christine Rod über Angst und neue Perspektiven
Sr. Christine Rod ist Generalsekretärin der Österreichischen Ordenskonferenz
24. April 2022, 06:55
Was sind Sie für ein Typ? Sind Sie eher ängstlich, leicht zu verunsichern, mit einem starken Gespür für das, was alles an Problemen daherkommen könnte? Oder sind Sie eher ein bisschen abenteuerlustig: Ja, das Leben hat halt seine Herausforderungen, aber wir werden das alles irgendwie bewältigen?
Zugegeben, das sind Vereinfachungen. So einfach kann man Menschen nicht einteilen.
Trotzdem beschäftigt mich das Thema. Ich nehme in meiner Umgebung oder auch wenn ich Nachrichten höre und mich damit nicht nur von meiner unmittelbaren Umwelt betreffen lasse, vieles an Angst wahr. Da gibt es Befürchtungen und Erschrecken aller Art, und - klar - Menschen gehen verschieden damit um und entwickeln ihre eigenen Strategien. Die einen reden unsere heutige Zeit, unser Land, unsere Gesellschaft schlecht, und angeblich war es früher besser. Andere ziehen sich in ihre eigene kleine private Welt zurück, resignierend, weil man doch darüber hinaus ohnehin nur ohnmächtig zuschauen könne. Wieder andere leugnen gegenwärtige Probleme; das Leben sei immer schon so gewesen.
Wie gehen Sie damit um?
Ich selber schätze mich im alltäglichen Leben eher als unerschrocken ein, und wenig von Ängsten geplagt. Aber wenn ich unsicher werde oder mich überfordert fühle . Wenn ich an die Erderwärmung denke; wenn ich mir vorstelle, was der Krieg mit Russland noch alles bringen könnte . Dann kann mir das schon Angst einjagen.
Da kann es manches Mal schon eng werden. Das Wort "Angst" hat mit "eng" zu tun. Ja, da kann es ganz schön eng werden, bis hin zu einem Tunnelblick, der mir gar nicht mehr ermöglicht, neue oder größere Perspektiven wahrzunehmen.
Wie kann ich als glaubender Mensch mit Ängsten und Bedrohungen umgehen? Was klar ist: Der Glaube ist keine Zauberkraft und keine Lebensversicherung, die mir alle Ungewissheiten abnimmt, die mich immer sorglos und glücklich sein lässt. Das wäre naiv. Aber vielleicht hilft mir der Glaube, in all dem immer noch an etwas Neues zu glauben, das anders und größer ist als ich es mir in meiner manchmal doch recht engen Vorstellung zurechtgebaut habe.
In den Ostergeschichten spielt die Angst auch eine unübersehbare Rolle. Doch dann die Wende: Jesus, das Opfer eines Justizmordes, kommt nach seinem Tod ins Leben zurück. Interessant ist, dass der auferstandene Jesus sich bei seinen hochgradig irritierten Freunden immer wieder einmal bemerkbar macht - er kommt überraschend, unerwartet und unerkannt, durch geschlossene Türen hindurch, immer noch mit den Wundmalen an Händen, Füßen, am Herzen. Mehrfach kommt Jesus und wünscht seinen Freunden als allererstes Frieden.
Manchmal sehne ich mich in schwierigen Zeiten nach einem stressfreien, fast wonniglichen Zustand. Aber dann tut es mir doch gut zu erkennen, dass der Glaube eben nicht am Leben vorbeigeht. Gelebtes Leben, mit allem, was schön war und auch mit allem, was verwundet oder angstbesetzt ist, hat seinen Platz. Frieden hat von der Wortwurzel her mit Freiheit zu tun.
Das finde ich wunderbar: Als eine, die an den auferstandenen Jesus glaubt, muss ich nicht mit großer Anstrengung Ängste oder Irritationen wegschieben. Alles, was zu meinem Leben gehört, darf Platz haben, aber ich kann mit einem Geschmack von Frieden und Freiheit leben. Das ist doch wirklich eine wunderbare neue Perspektive.
Sendereihe
Playlist
Komponist/Komponistin: Chick Corea
Bearbeiter/Bearbeiterin: Apollo Saxophone Quartet
Album: FIRST & FOREMOST - Apollo Saxophone Quartet
* Children's Song Nr.3 (00:59) - tw. 2x gespielt
Titel: Children's Songs / Bearbeitung für Saxophonquartett, Percussion und Keyboards
and
Ausführende: Apollo Saxophone Quartet
Ausführender/Ausführende: Tim Redpath /Saxophon
Ausführender/Ausführende: Rob Buckland /Saxophon
Ausführender/Ausführende: Andrew Scott /Saxophon
Ausführender/Ausführende: Jonathan Rebbeck /Saxophon
Solist/Solistin: Mike Hamnett /Percussion
Solist/Solistin: John Harle /Keyboards
Länge: 01:01 min
Label: Argo 4439032
