Maskierter Pro-Russland-Aktivist in Luhansk, 2014

2014 - AP/IGOR GOLOVNIOV

Betrifft: Geschichte

Luhansk und Donezk

Der umkämpfte Teil der Ostukraine. Mit: Kerstin Susanne Jobst und Wolfgang Mueller, Institut für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien - Gestaltung: Andreas Wolf

"Ukraine" bedeutet "Grenzland". Zunächst war damit die geographische Lage des Gebietes an der Grenze zur Steppe gemeint. Als eigenständige Bezeichnung eines Verwaltungsterritoriums entwickelte sich der Begriff erst im Laufe des 16. Jahrhunderts. Die Anfänge der heutigen Ukraine (Kiewer Rus) gehen allerdings bereits auf die zweite Hälfte das 9. Jahrhunderts zurück. Bald umfasste das Reich die gesamten ostslawischen Gebiete sowie zahlreiche weitere Ethnien wie baltische-, finno-ugrische- und turksprachige- Stämme. Im Laufe der Zeit entstanden Streitigkeiten über den Begriff "Rus", der sowohl von Ukrainern als auch Russen beansprucht wurde. Die ukrainische Seite brachte vor allem territoriale Argumente vor und vertrat die Ansicht eines "altrussischen Volkes", dass aus Russen, Weißrussen und Ukrainern bestand. Russland hingegen berief sich auf die russischen Zaren. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts waren diese direkte Nachfahren der Kiewer Herrscherdynastie der Rjurikiden.

Anhänger der "ukrainischen Idee" betonten verstärkt die kulturelle und ethnische Unabhängigkeit von Russland. Von deutscher Seite wurde diese Betrachtung sowohl während des 1. als auch des Zweiten Weltkrieges unterstützt. Während der Zwischenkriegszeit wurde die Idee einer ukrainischen Unabhängigkeit auch durch das gezielte Aushungern der ukrainischen Bauern befeuert. Bei dem als "Holodomor" bezeichneten sowjetischen Völkermord starben bis zu 4,5 Millionen Menschen. Nach dem gescheiterten Putsch gegen Michail Gorbatschow 1991 erklärte sich die Ukraine unabhängig. Viele Russen empfanden sich nun als Fremde im eigenen Land. Die vom Westen geförderte politische Abwendung der Ukraine von Russland befeuerte die ethnischen Konflikte in der traditionell russisch geprägten Ostukraine und der Krim. Eine Melange aus NATO Osterweiterung, die von Russland als westlicher Putsch verstandene Revolution von 2014, der daraus hervorgehende Bürgerkrieg in den mehrheitlich von Russen bewohnten Gebieten Luhansk und Donezk, die russische Einverleibung der Krim, sowie eine Annäherung der Ukraine an NATO und EU ließen die Situation im Februar 2022 eskalieren.

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