Eine bleiche Frau blickt in den Himmel.

AFP/ERIC FEFERBERG

Salzburger Nachtstudio

... und vor Lust zu sterben

... und vor Lust zu sterben - Zur Semiotik des weiblichen Vampirs. Gestaltung: Katrin Mackowski

Weiblichkeit und Tod, das gehört in Kulturgeschichte wie Alltag zusammen. Weibliche Sexualität, die gesamte weibliche Physiognomie, wird in diversen Fantasien oft zu einer dunklen Gefahrenzone. Die alles beherrschende Farbe in diesem Spiel der Zeichen ist rot: Rote Lippen, Mund, Vagina, Blut. Der orale Effekt, der auf dieses Signal antwortet: das Saugen und Aussaugen, der Liebesbiss durch den weiblichen Vampir. Nur, um dann an ihm "vor Lust zu sterben", wie es im Filmtitel (1960) des in Szene gesetzten Romanstoffes "Carmilla" heißt.

Auf welche Bedeutungen verweisen diese Zeichen - im Sinne einer semiotischen Betrachtung? Die Angst vor dem Gefressenwerden beim Küssen, die Angst vor dem Tod durch die Frau, sind in Film- und Literatur jedenfalls öfter mit dem Mann verbunden. Es ist der Mann, der als Vampir auftritt, als verführerischer Blutsauger, der seine Lippen ansetzt, der die Zähne zeigt, zubeißt, saugt und sich die Frau einverleibt und damit unschädlich macht. Das ist der bekannte Topos.

Doch nach all den Vampiren, die es in der Filmgeschichte gibt, angefangen von Murnaus "Nosferatu" über den Hollywood-Film "Bram Stoker's Dracula" (1992) von Francis Ford Coppola bis hin zur wunderbaren Buffy, die Vampire jagt, gibt es auch Werke wie "Carmilla", eine 1872 erschienene Novelle des irischen Autors Sheridan Le Fanu, in der die liebestrunkene Begegnung einer jungen Frau mit einem weiblichen Vampir als homosexuelle Variante des Vampirstoffes erzählt wird. Es ist der weibliche Vampir, der die Frau nun nicht mehr hintergründig, sondern eindeutig bissig und gefährlich zur "Symphonie des Grauens" erklärt.

Ein "Salzburger Nachtstudio" von Katrin Mackowski über die Semiotik des weiblichen Vampirs.
(Wh.vom 29.Juli 2020)

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