Umyma El Jelede

CHRISTINE PRAMHAS

Hörbilder

Umyma El Jelede: Wiener Ärztin aus dem Sudan

Seit 15 Jahren setzt sich die Ärztin für Frauen aus afrikanischen und arabischen Communities in Österreich ein. Umyma El Jelede vermittelt zwischen Fronten mit Geduld, Empathie und erstaunlich kreativen Strategien. "Doktor Umymas Tanz. Eine Wiener Ärztin aus dem Sudan." Von Christine Pramhas

Geboren im Sudan studiert Umyma El Jelede Medizin in Libyen, die Chirurgie wird ihr Fachgebiet. Zurück in ihrer Heimat hat sich die politische Situation für ihre Familie dramatisch verschärft. 2004 beschließt sie, zu fliehen. Ihre Mutter kann sie mitnehmen, der Vater bleibt im Gefängnis zurück, ihn wird sie nie wiedersehen. Ein Caritasheim in Wien Favoriten wird das neue Zuhause der beiden Frauen, drei Jahre später erhalten sie Asyl in Österreich. Endlich darf Umyma El Jelede arbeiten, nicht als Ärztin - das Nostrifizierungsverfahren läuft noch - aber ihr medizinisches und kulturelles Fachwissen wird dringend gebraucht.

Für das österreichische Frauengesundheitszentrum FEM Süd soll die sudanesische Ärztin Frauen aus afrikanischen und arabischen Communities in ihren Muttersprachen beraten - mit Schwerpunkt auf weiblicher Genitalverstümmelung (FGM, Female Genital Mutilation). "Es sind die Stimmen, die man nie hört," sagt Umyma El Jelede. Denn diese Frauen stehen oft zwischen zwei Fronten: Einerseits erwartet ihre eigene Community von ihnen die Beschneidung, andererseits verurteilt die westliche Gesellschaft diese Praxis als Verstümmelung und schwere Menschenrechtsverletzung.

"Das ist meine wirkliche Herausforderung, es ist wie tanzen mit zwei verschiedenen Schuhen. Aber elegant tanzen, sonst geht die Tür zu!" Umyma El Jelede vermittelt mit Geduld, Empathie und erstaunlich kreativen Strategien. "Es ist wichtig, dass wir mit der österreichischen Gesellschaft reden, gegenseitige Vorurteile verlieren und Gemeinsamkeiten entdecken können. Ohne Tabu."

Redaktion: Eva Roither
Ton: Fridolin Stolz und Milos Ikic

Service

"Warum ist das so?"
Umyma El-Jelede hilft Frauen, die Opfer weiblicher Genitalverstümmelung geworden sind und kämpft gegen eine patriarchale Tradition. Zeit Online, von Franziska Tschinderle, 2018
Integrationsfonds

FEM Süd Gesundheitszentrum für Frauen, Mädchen und Eltern
FEM Sued Englisch
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FEM Sued Türkisch
FEM Sued Bosnisch-Kroatisch-Serbisch

Wiener Programm für Frauengesundheit
https://www.wien.gv.at/gesundheit/beratung-vorsorge/frauen/frauengesundheit/schwerpunkte/gewalt/fgm.html|Maßnahmen gegen FGM
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Buchtipps

Nawal El Saadawi: Fundamentalismus gegen Frauen. Die Löwin vom Nil und ihr Kampf um die Menschenrechte von Frauen, Diederichs 2002

Birgit Sauer/Sabine Strasser (Hrsg): Zwangsfreiheiten. Multikulturalität und Feminismus, Südwind 2008

Fana Asefaw: Weibliche Genitalverstümmelung. Hintergründe, gesundheitliche Folgen und nachhaltige Prävention, U. Helmerverlag 2008

Marion Hulverscheidt: Weibliche Genitalverstümmelung. Diskussion und Praxis in der Medizin während des 19. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum,
Mabuse 3. Auflage 2016

Isabel Ihring: Weibliche Genitalbeschneidung, unrast, 2015

Anna Kölling: Weibliche Genitalverstümmelung im Diskurs. Exemplarische Analysen zu Erscheinungsformen, Begründungsmuster und Bekämpfungsstrategien, Lit Verlag 2008

Ronán Michael Conroy: Female genital mutilation: Whose Problem, Whose Solution?
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