Wolfgang Fellner, 2013

APA/HERBERT NEUBAUER

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Das System Fellner franst aus

Moderation und Gestaltung: Rosanna Atzara, Nadja Hahn und Stefan Kappacher

Der Medienmacher Wolfgang Fellner prägt die österreichische Medienlandschaft seit Jahrzehnten - mit seinem Verständnis von Boulevardjournalismus ebenso wie mit seinem Geschäftsmodell, das auf aggressiver Inseraten-Akquise speziell auch bei der öffentlichen Hand aufgebaut ist. Dieses System Fellner franst jetzt aus. Die Korruptions-Staatsanwaltschaft ermittelt in Zusammenhang mit Inseraten-Deals mit der Kurz-ÖVP wegen Bestechung gegen die Fellner-Brüder, der "Österreich"-Herausgeber steht in gerichtlichen Auseinandersetzungen wegen sexueller Belästigung von Mitarbeiterinnen und hat dabei schon mehrfach den Kürzeren gezogen. Jetzt will Wolfgang Fellner seine Mediengruppe an Sohn Niki übergeben und bemüht sich um eine Einigung mit seinen Kreditgebern.


Spekulationen um einen Schuldenschnitt

Seit März dieses Jahres redet in den wesentlichen Gesellschaften von Fellners Mediengruppe ein bekannter Sanierer aus Deutschland mit. Ohne dessen Unterschrift geht nichts mehr. Was offiziell als "Begleitung der Übergabe an die nächste Generation" bezeichnet wird, ist für Insolvenzspezialisten ein klarer Fall: Die Banken, bei denen Fellner mit hohen zweistelligen Millionenbeträgen in der Kreide steht, haben die Kontrolle übernommen. Dass Fellner einen Schuldenschnitt anstrebt, liegt auf der Hand. Entsprechende öffentliche Äußerungen, die von Seiten seiner Mitbewerber gekommen sind, die das alles natürlich auch mit großem Eigeninteresse verfolgen, hat Wolfgang Fellner zurückgewiesen.


Die Folgen der Medienkorruptions-Affäre

Dass die Dinge in der Mediengruppe "Österreich" so liegen, wie sie liegen, wird wohl auch mit Auftragsrückgängen infolge der Medienkorruptionsaffäre zu tun haben, über die im Herbst 2021 der damalige Bundeskanzler Sebastian Kurz gestürzt ist. Die Fellners hatten mit Kurz und seinem Umfeld einen Deal, wie die Korruptions-Staatsanwaltschaft dokumentiert hat. Der Vorwurf gegen die Fellners lautet Bestechung - durch positive Berichterstattung gegen öffentliche Gelder für Inserate. Es gilt die Unschuldsvermutung, aber der dringende Tatverdacht in dieser Causa ist vom Oberlandesgericht Wien in Zusammenhang mit Anträgen von weiteren Beschuldigten mehrfach bestätigt worden. Gelingt der WKStA die Beweisführung, dann wäre das wegweisend für die Medienbranche.


Der Medienmacher im Strudel von #MeToo

Wegweisend sind auch die Urteile im ersten großen #MeToo-Fall Österreichs. Seit einem Jahr sind die Prozesse gegen Wolfgang Fellner nun in der Öffentlichkeit. Lange wurde sein Name in den Medien verschwiegen, aus Angst, selbst geklagt zu werden. Ehemalige Mitarbeiterinnen werfen ihm sexuelle Belästigung vor, er streitet alles ab, wirft den Frauen vor zu lügen, klagt auf Unterlassung und verliert einen Prozess nach dem anderen, auch wegen Rufschädigung der Frauen. Die Prozesse sind wegweisend für weitere Opfer von sexueller Belästigung. Sie holen ein Thema in die Öffentlichkeit, das bisher wenig ernst genommen wurde. Ob sich aber angesichts all der Prozesse in den Fellner-Newsrooms etwas verändert hat und ob das seinem Geschäft schadet, ist schwer herauszufinden.

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