Ensemble Kontrapunkte

ENSEMBLE KONTRAPUNKTE/RENEE DEL MISSIER

Zeit-Ton

Die Kontrapunkte in der Klangkurve

Das Ensemble Kontrapunkte mit Gottfried Rabl beim Musikverein-Festival "A!"

Eine Uraufführung und drei österreichische Erstaufführungen, vier Komponisten der Jahrgänge rund um 1980 aus den USA, dem UK, Serbien und Österreich, ein Klassiker aus dem Umfeld zwischen Elektronik, Mikrotonalität und reiner Stimmung sowie das Klavierwerk eines legendären Musikwissenschaftlers in neuem Klanggewand: in Summe ein typischer, weil rundum überraschender Abend mit dem Ensemble Kontrapunkte, dirigiert von Gottfried Rabl sowie mit Franz-Markus Siegert (Violine), Herbert Kefer (Viola) und Kaori Nishii (Klavier).

Wie mag es klingen, wenn sich der Brite Luke Bedford vom Schicksal der afroamerikanischen Sängerinnen Millie und Christine McCoy zu Musik inspirieren lässt, einem 1912 verstorbenen siamesischen Zwillingspaar? Welche kurvenreichen Sounds verursachen acht virtuos eingesetzte Violinen, die zusammen vom barocken Concerto grosso, vom italienischen Futurismus und von einem Autorenn-Videospiel angetrieben werden - nach Noten des US-Amerikaners Andrew Norman? Was passiert, wenn sich der aus Serbien stammende Marko Nikodijevic einem Schmerzensmadrigal des mörderischen Renaissancekomponisten Carlo Gesualdo mit Dub-Techniken annähert? Und wie durchleuchtet der Österreicher Bernhard Philipp Eder mit einer neuen Instrumentierung die ursprünglich für Klavier geschriebenen Händel-Variationen des 1929 verstorbenen Eusebius Mandyczewski, der sich als Musikwissenschaftler um die Herausgabe der Werke Haydns, Schuberts und seines Freundes Johannes Brahms verdient gemacht hat?

Ist die Jagd des Komponisten nach dem perfekten Stück nicht ohnehin zum Scheitern verurteilt - aber der Versuch, wie Andrew Normans "Try" einen solchen ausstellen will, dennoch jedes Mal aufs Neue fesselnd? Da hilft es vielleicht, zum Auftakt James Tenney zu lauschen, ganz im Zeichen des Musikverein-Festivals unter dem Motto des Stimmtons "A!", hinein in vermeintlich stehende, aber dennoch bewegte Klänge.

Gestaltung: Walter Weidringer

Sendereihe