Bundespressekonferenz in Deutschland: Menschen an einem Tisch, Spiegelungen

APA/AFP/JOHN MACDOUGALL

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Das Unbehagen hat System

Schnelle Reflexe statt Selbstreflexion
Wenn Journalisten zu Pressekonferenzen laden
Klimajournalismus zwischen Empörung und Ignoranz

Moderation und Gestaltung: Rosanna Atzara, Nadja Hahn und Stefan Kappacher

Die Image- und Glaubwürdigkeitswerte der österreichischen Medien sind nach den jüngsten Chat-Affären im Keller. Die Rücktritte der betroffenen Chefredakteure - Rainer Nowak von der Tageszeitung "Die Presse" und Matthias Schrom vom ORF-Fernsehen - waren zwar spektakulär und beispiellos. Viele Beobachter stellen sich aber die Frage, ob sie auch der Anstoß für ein nachhaltiges Umdenken sind, was die zu große Nähe zwischen Politik und Journalismus in Österreich betrifft.

Schnelle Reflexe statt Selbstreflexion

Ein Transparenz-Blog hier, eine Grundsatzdiskussion über Nähe und Distanz im Journalismus da - am grundsätzlichen Problem der Verhaberung und der wirtschaftlichen Abhängigkeit der Medienbranche von öffentlichen Geldern ändere das nichts, sagen kritische Beobachter. Die neue Medienförderung - ob das die digitale Transformationsförderung ist, für die gerade 53 Millionen Euro ausgeschüttet worden sind, oder die kommende Journalismus-Förderung - würden bestehende Strukturen bewahren, Abhängigkeiten zementieren und Innovationen eher behindern. Der Medienwissenschafter Andy Kaltenbrunner spricht von einem "Käfig", in dem die Akteure gefangen seien. Und manchen werde es niemals gelingen, von dort auszubrechen.

Wenn Journalisten zu Pressekonferenzen laden

Die Aufarbeitung der multiplen Journalismus-Krisen in Österreich läuft schleppend. Was kann die Branche tun, um das Verhältnis zwischen Medien und Politik neu zu sortieren? Als internationales Vorbild in der Hinsicht gilt die Bundespressekonferenz (BPK) in Deutschland, wo Journalistinnen und Journalisten die Gastgeber sind und die Regierungssprecherinnen und -sprecher dreimal in der Woche Rede und Antwort stehen. "Bei uns geht man erst, wenn die letzte Frage beantwortet wurde", sagt BPK-Vorsitzender Mathis Feldhoff. Für Österreich wäre das ein Paradigmenwechsel, sind hier doch sogar sogenannte Hintergrundgespräche üblich, bei denen die Politik entscheidet, wer kommen darf und wer nicht. Ein "Unding", wie Florian Gasser, Leiter der Österreich-Seiten bei der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit", meint.

Klimajournalismus zwischen Empörung und Ignoranz

Noch nie gab es so viel Klimajournalismus wie jetzt. Dennoch läuft in der Berichterstattung vieles falsch, zum Beispiel wenn die Aufregung über die Klimaproteste in Museen und auf der Straße mehr Aufmerksamkeit bekommt als die Gründe dafür. Oder wenn Prominente in Talkshows die Wissenschaft in Frage stellen. Auch wenn der Jugend Lust am Weltuntergang nachgesagt wird, geht das eigentliche Thema verloren. Was steckt dahinter? Wieviel Meinungspluralismus darf sein, und wo muss Journalismus einordnen? Wer kann Verzögerungstaktikten und Framing-Versuche der Politik entlarven? Die Redaktionen stehen vor großen Herausforderungen.

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