Pflanze mit roten Früchten, Mirakelbeeren

HILKE STEINECKE

Vom Leben der Natur

Faszinierende tropische Gewächse (2)

Mirakelbeeren und Affentöpfe.
Die Botanikerin Hilke Steinecke vom Palmengarten Frankfurt spricht über tropische Blüten, Samen und Früchte.
Teil 2: Sauer schmeckt süß

In den Tropen haben sich im Laufe der Evolution eine Reihe besonderer Blüten, Samen und Früchte entwickelt. Ein Beispiel ist die afrikanische Wunder- oder Mirakelbeere. Kaut man die kleinen, roten Früchte des Strauchs, verändert sich für einige Minuten der Geschmackssinn. Die Folge: Zitronen und alles, was sonst noch sauer ist, schmecken auf einmal süß. In ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet machen sich dies einige Vögel zunutze. Sie fressen zuerst die Wunderbeeren und danach die noch unreifen Früchte anderer Pflanzen.

Während der für dieses Geschmackswunder verantwortliche Stoff Miraculin bei uns kaum verwendet wird, ist das Vanillegewürz aus unserer heimischen Küche nicht mehr wegzudenken. Die Vanille-Orchidee stammt ursprünglich aus Mexiko. Seitdem das Vanille-Monopol 1846 gebrochen wurde, wird die Pflanze vor allem auf Madagaskar, Reunion und Indonesien angebaut. Da dort die natürlichen Bestäuber der Pflanze fehlen, werden die Blüten aufwändig per Hand bestäubt. Dieser enorme Aufwand sowie der langwierigen Verarbeitungsprozess der Früchte machen die Vanille sehr teuer. Nicht umsonst gilt sie daher als Königin der Gewürze.

Geruchlich abstoßend ist hingegen ein anderer Rekordhalter aus den Tropen: Die aus dem Regenwald Südostasiens stammende Riesen-Rafflesie. Die Schmarotzerpflanze bildet die größte Blüte der Welt mit einem Durchmesser von etwa einem Meter. Der aasartige Gestank lockt Fliegen und Käfer an, die die bis zu sieben Kilogramm schweren Blüten bestäuben.

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GESPRÄCHSPARTNERIN:
Dr.in Hilke Steinecke
Palmengarten Frankfurt

BUCHTIPP:
Veit Martin Dörken und Hilke Steinecke: Blüten, Samen und Früchte. Was Sie schon immer fragen wollten.
Quelle & Meyer 2022

Sendereihe

Gestaltung

  • Anja Petersen