Didi Sattmann

PRIVAT

Menschenbilder

Der Fotograf Didi Sattmann

"Ich musste mir ein Bild von der Welt machen" - Der Fotograf Didi Sattmann

1951 wird Dietrich Sattmann in eine ländliche steirische Gemeinde in einen "stabilen" Familienverband hineingeboren. Doch mit dem Schuleintritt ändert sich alles. Der Bub bleibt hinter den Erwartungen zurück, er verhält sich auffällig, die Lehrerin setzt ihn in die letzte Reihe. Am Ende des Schuljahres bringen ihn seine Eltern, alarmiert von dem schlechten Zeugnis, zu einem Arzt. Die Diagnose: eine hochgradige Hörbehinderung - Didi Sattmann hat nur 5 Prozent Hörvermögen. Da der Vater nichts davon wissen will, dass sein Sohn womöglich behindert ist, muss sich Didi ab nun durchs Leben kämpfen. Er lernt selbst Lippen lesen - was ihm allerdings wenig nützt, wenn sich die Lehrerin zur Tafel dreht oder seine Mitschüler im Hof herumlaufen.

Didi Sattmann entwickelt sich zum einsamen Menschenbeobachter, übersiedelt zum Studium nach Wien - und findet schließlich seine wahre Lebensschule in den Achtzigerjahren im legendären Café Alt Wien und bei Oswald & Kalb. Er lernt Künstler wie Martin Kippenberger und Franz West, richtungsweisende Galeristen wie Peter Pakesch kennen und kommt schließlich unter der Ägide von Ursula Pasterk zu den Wiener Festwochen, deren Erscheinungsbild er grundlegend erneuert. Zwischen ihm und der Welt wird die Kameralinse zur Übersetzerin und zum Türöffner in ein erfülltes, glückliches persönliches Leben - entlang der wichtigen Stationen des Wiener Kulturbetriebs in den Achtziger- und Neunzigerjahren. Sein reiches Oeuvre umfasst unter anderem unzählige Künstlerportraits, Außenaufnahmen von Wien, Ausstellungskataloge und Festwochenkataloge.

Heute lebt Didi Sattmann mit seiner Familie im Weinviertel und hat sich der konzeptuellen Fotografie zugewendet, mit dem Fokus auf menschengemachten Klimawandel und die Verdrängung der Natur. Er fotografiert vor allem den Boden - und alles, was er darauf findet und das dort nicht hingehört.

Gestaltung: Sabine Nikolay

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