Korallen im Roten Meer

APA/AFP/Khaled DESOUKI

Punkt eins

38 Grad im Meer: Bleiche in der Badewanne

Korallenbleiche und Kettenreaktion - die Folgen der Ozeanerwärmung. Gast: Angelina Ivkic, MSc, Meeresbiologin, Institut für Paläontologie der Universität Wien. Moderation: Barbara Zeithammer. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Was für die einen nach Badevergnügen klingt, sollte alle stutzig machen: 29 Grad Celsius hat das Mittelmeer vor Frankreich und Spanien, 38 Grad der Atlantik um die Florida Keys. Zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Forscher bilanzieren mit Blick auf die Meerestemperaturen weltweit seit Monaten in drastischen Worten: beispiellos, extrem, monströs - ein schrilles Alarmsignal.

In Zahlen scheint ein Plus von einigen Zehntel Grad Celsius Meeresdurchschnittstemperatur kaum erwähnenswert, doch die Meere erwärmen sich regional weit stärker - um bis zu fünf Grad und mehr und schon geringe Temperaturerhöhungen haben Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt, für Seegraswiesen, Kelpwälder, die Fischbestände. Und allen voran für die artenreichsten Lebensräume der Meere: die Korallenriffe. Sie machen zwar nur etwa ein Prozent des maritimen Lebensraumes aus, beherbergen und ernähren aber ein Viertel der Meereslebewesen, sind Kinderstube zahlreicher Fischarten und als Wellenbrecher unverzichtbarer Küstenschutz und Wirtschaftsfaktor für Fischerei wie Tourismus.

Bei zu hohen Wassertemperaturen kommt es zur Korallenbleiche - das Abstoßen der mit den Korallen in Symbiose lebenden Algen - und bei andauernder Hitze zum Absterben und dem unwiederbringlichen Verlust des Ökosystems. Korallenriffe werden gegen die Sonnenstrahlung abgedeckt, stückweise in kühlere Gewässer transplantiert, stückweise wieder aufgeforstet und mit Meerwasser aus tieferen Schichten gekühlt, doch wird das die Riffe bewahren können, die weltweit zusätzlich durch die zunehmende Versauerung der Meere, Nährstoffüberschuss aus der Landwirtschaft, zerstörerische Fischereimethoden und Verschmutzung unter Druck geraten?

Die Meeresbiologin Angelina Ivkic vom Institut für Paläontologie der Universität Wien erforscht lebende wie fossile Korallen und geht dabei unter anderem in Feldforschungen im Roten Meer vor Ägypten und dem Sudan der Frage nach, wie es Korallen in früheren Warmphasen ergangen ist.

Über die faszinierenden Lebewesen Korallen, die vor 300 Jahren, 1723, erstmals als Tier klassifiziert wurden, was damals niemand glauben wollte, die komplexen Zusammenhänge des maritimen Ökosystems Riff und die (auch physikalischen) Folgen der hohen Meerestemperaturen spricht Angelina Ivkic als Gast bei Barbara Zeithammer.

Unsere Hörerinnen und Hörer sind wie immer herzlich eingeladen, sich mit Fragen, Beobachtungen und Erfahrungen an der Diskussion zu beteiligen: unter 0800 22 69 79 erreichen oder Sie schreiben uns ein E-Mail an punkteins(at)orf.at

Hinweis:
An einer Stelle der Sendung war von der Absorptions-Fähigkeit der Ozeane die Rede. Dabei wurde gesagt, der Ozean nähme über 90% des menschengemachten Treibhausgases CO2 auf, gemeint war allerdings die menschengemachte Wärmeenergie.
Korrekt ist also: Die Ozeane nehmen etwa 93% der zusätzlichen Wärmeenergie auf, die durch Treibhausgase entsteht und ca. 30% des zusätzlich entstandenen CO2.

Service

FWF-Projekt "Red Sea coral reefs: A Pleistocene-Recent comparison" seit 2018
Uni-Wien-Blog-Beitrag
Forschungsprojekt Website

Sendereihe

Gestaltung

  • Barbara Zeithammer

Playlist

Urheber/Urheberin: Trenet
Album: Die grossen Chansons - Folge 1
LA MER
Ausführender/Ausführende: Charles Trenet
Länge: 03:18 min
Label: Electrola 798831

Untertitel: Portico Quartet
Titel: Knee-Deep In the North Sea
Ausführende: Portico Quartet
Länge: 04:47 min
Label: Universal Music

Untertitel: Benny Goodman
Titel: Undercurrent Blues
Ausführende: Benny Goodman
Länge: 03:08 min
Label: Capitol Jazz

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