Rauchsäule über Gaza-City

APA/AFP/RONALDO SCHEMIDT

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Medienwelten im Nahost-Modus

Seit die Hamas israelische Zivilisten massakriert und Familien in ihren Häusern brutal ermordet und zum Teil verschleppt hat, ticken die Medienwelten anders. Auch auf den Social Media Kanälen und in den Redaktionen ist gerade nichts mehr so, wie es vor dem 7. Oktober war. #doublecheck mit einer Bestandsaufnahme und einer Annäherung an die Frage: Wie berichtet man über einen vielschichtigen Konflikt in Zeiten größter Emotion?

Die Empfehlung der Social Media Expertin Ingrid Brodnig: Schränken Sie die Verweildauer auf den Internet-Plattformen deutlich ein. Was dort an Falsch-Informationen und verstörendem Video-Material kursiert, sei für den Einzelnen praktisch nicht mehr einordenbar. Der Algorithmus etwa von TikTok lernt sehr schnell. Was man sich in diesem Konflikt länger und öfter anschaut, wird verstärkt. Verifizierte Accounts auf X (vormals Twitter) von Elon Musk betreiben Terror-Propaganda für die Hamas. Die Nachrichten-Agenturen und mit ihnen die online oft nicht sattelfesten klassischen Medien sind in diesem Setting Getriebene. #doublecheck hat darüber unter anderem mit der neuen Chefredakteurin der Austria Presse Agentur, Maria Scholl, gesprochen.

Ein Korrespondent unter Beschuss

Als Leitmedium steht der ORF mit der Nahost-Berichterstattung besonders im Fokus. Jeder von der bedingungslosen Unterstützung Israels im Krieg gegen die Hamas abweichende Halbsatz wird dem öffentlich-rechtlichen Sender als anti-israelische oder pro-palästinensische Agitation ausgelegt. Die Kritik am ORF kommt diesmal nicht nur von rechts, sondern sehr breit auch von links. Und viel davon kriegt Karim El-Gawhary ab, der für den ORF seit Jahren kompetent aus dem arabischen Raum berichtet und dort persönlich auch Wurzeln hat. Wie geht er mit den täglichen Shitstorms um, die er aushalten muss, weil er das Leid der Zivilisten auf palästinensischer Seite nicht verschweigen will? #doublecheck hat El-Gawhary dazu befragt und mit den Korrespondenten-Kollegen in Israel gesprochen, die das Grauen der Hamas von der israelischen Kriegs-PR schonungslos aufbereitet bekommen.

Der Wunderwuzzi aus dem Westen

Während der Nahe Osten brennt und der Abnützungskrieg der Russen gegen die Ukraine unvermindert weitergeht und all das die Berichterstattung vor große Herausforderungen stellt, sind viele Redaktionen im Umbau. Am spektakulärsten ist wohl der Wechsel in der Chefredaktion samt einem großen Sparpaket beim "Standard". Gerold Riedmann kommt mit 1. April 2024 von den "Vorarlberger Nachrichten" und soll die von Oscar Bronner vor 35 Jahren gegründete Tageszeitung jetzt aber wirklich zukunftsfit machen. Vorher wird aber noch beim Personal gespart, 25 Kündigungen sind angemeldet, eine Notbremsung zur richtigen Zeit, wie Insider sagen. #doublecheck hat mit "Standard"-Geschäftsführer Alexander Mitteräcker darüber gesprochen, was das für die Zeitung als Qualitätsblatt bedeutet und in welche Richtung der neue Chefredakteur das Schiff steuern soll.

Moderation und Gestaltung: Rosanna Atzara, Nadja Hahn und Stefan Kappacher

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