Empfangsbereich im ORF-Zentrum

ORF/ROMAN ZACH-KIESLING

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Öffentlich-rechtlich auf Bewährung

Für den ORF markiert der Jahreswechsel auch eine Zeitenwende. Die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist nach einem Spruch der Verfassungsrichter auf eine Haushaltsabgabe umgestellt worden. Alle müssen den ORF-Beitrag ab Jänner 2024 zahlen, und dafür soll es auch ein Programm für wirklich alle geben - online und on air. #doublecheck hat nachgefragt, welche neuen Angebote kommen, wie transparent der ORF jetzt wird und wie groß die Reform der Gremien ausfallen könnte, die das Höchstgericht ebenfalls erzwungen hat.

Der neue ORF-Beitrag macht 15,30 Euro im Monat aus, das ist deutlich weniger als die bisherige GIS-Gebühr, die mit anderen Gebühren gekoppelt war und 22,45 Euro monatlich betragen hat. Der Unterschied: von der GIS konnte man sich abmelden, das geht jetzt nicht mehr und hat naturgemäß viele Kritiker auf den Plan gerufen. Der ORF muss dem laut Gesetz mit mehr Transparenz Rechnung tragen, das betrifft hohe Gehälter und Nebenbeschäftigungen - aber auch die Verwendung der Beitragseinnahmen muss besser als bisher offengelegt werden. Zu mehr Unabhängigkeit bei der Bestellung der Mitglieder von Stiftungsrat und Publikumsrat, wie sie jetzt noch lauter gefordert wird als zuvor, hat sich die Koalition nicht durchringen können. Nach dem jüngsten Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofs kommt sie - oder die nächste Regierung - nicht mehr daran vorbei.


Ein "Fight Club" kommt selten allein

Mehr Programm, mehr Bürgerbeteiligung, mehr Onlineangebot: so will der ORF auch Skeptikerinnen und Skeptiker überzeugen und die Haushaltsgabe für alle rechtfertigen. Für 2024 sind zahlreiche neue Formate angekündigt, im "Fight Club" etwa versuchen ab dem Frühjahr zwei Personen, in einer Art "verbalem Boxkampf" das Publikum von ihren Ansichten zu überzeugen. Die neue Plattform "ORF On" wird mit 1. Jänner die TVthek ablösen, sie soll zu einem Streaming-Dienst werden. Viele Sendungen, Filme und Serien sind dann deutlich länger als die bisherigen sieben Tage abrufbar. Auf der Blauen Seite - also news.orf.at - wird es mehr Audio und mehr Videos geben, auch eigens für das Internet produzierte Formate sind gesetzlich erlaubt. Die Herausforderung ist, klassische Userinnen und User, die die erfolgreiche, bisher mehr text-orientierte Seite sehr schätzen, nicht abzuschrecken.

Wie ORF-Medien zusammenwachsen

Mit 1. Dezember bekommt der seit eineinhalb Jahren provisorisch geführte multimediale ORF-Newsroom eine neu bestellte Chefredaktion. Eine Chefredakteurin und zwei Chefredakteure werden für die Sendungen wie ZIB und Ö1-Journale, für die Fachressorts und für die Kurznachrichten sowie Online zuständig sein. Sie und ihre Stellvertreter müssen mit dem Vorwurf leben, dass die Besetzung im Vorhinein ausgemacht gewesen sei. Doch von der fast 400 Personen umfassenden Redaktion haben sie einen Vertrauensvorschuss bekommen. Jetzt wird es darum gehen, Multimedialität zu leben. Das gilt auch für die großen Ö1-Hauptabteilungen Wissenschaft und Kultur, die mit den entsprechenden Einheiten des Fernsehens zusammengelegt werden. Bei allen Synergien sehen manche darin eine Bedrohung der Eigenständigkeit des sehr erfolgreichen Kultur- und Informationssenders Ö1.

Moderation und Gestaltung: Stefan Kappacher und Viktoria Waldegger

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