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Radiokolleg
Zeit finden - Die Ära der Rastlosigkeit (2)
Der Takt der Arbeit
20. Februar 2024, 09:05
In Charlie Chaplins Stummfilm "Modern Times" aus dem Jahr 1936 gibt es eine Sequenz, in der ein Firmenchef Puzzle spielend und Zeitung lesend über ein Monitorsystem die Arbeiter an seinen Fließbändern kontrolliert und schreit: "Sektion fünf muss schneller machen, vier eins!" Nicht nur, dass Menschen infolge der Segmentierung der Produktion kaum mehr selbst produzierte Waren oder Dienstleistungen verkaufen, sondern das vorgegebene Tempo wird nach und nach erhöht. Was früher Sklaven und Lohnarbeiter betraf, wird auf Care-Arbeit, Forschung und Lernprozesse ausgeweitet. Das bleibt nicht ohne Folgen. "Zudem sorgen Prozesse der sozialen Beschleunigung dafür, dass sich in vielen Beschäftigungsfeldern die Arbeit enorm verdichtet und es zu einem Anstieg von Zeit- und Leistungsdruck kommt. Dieser Strukturwandel der Arbeit lässt auch die Psyche der Beschäftigten nicht unberührt: Die Brisanz der Stresszunahme zeigt sich auch daran, dass sich die Anzahl von Fehlzeiten durch psychische Erkrankungen in den letzten Jahren verdreifacht hat, verlautet die Politikwissenschaftlerin Friederike Hardering. Aber können wir uns neue bzw. alte Arbeitszeitmodelle leisten? Christa Nebenführ hat für ihre zweite Folge der Reihe "Zeit finden" unter anderem bei Ökonomen nachgefragt.
Service
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Bernhard Weßling: Was für ein Zufall!: Über Unvorhersehbarkeit, Komplexität und das Wesen der Zeit. 2022
Hans-Christian Dany: Speed. Eine Gesellschaft auf Droge 2008
Jenny Odell: Zeit finden. Jenseits des durchgetakteten Lebens. 2023
Martin Liebmann: Faul zu sein ist harte Arbeit: Eine Ode an den Müßiggang. 2019
Rotraud Perner: Der erschöpfte Mensch. 2012
Thomas Metzinger: Der Elefant und die Blinden - Auf dem Weg zu einer Kultur der Bewusstheit. 2023
Michael Ende: Momo 1973
Sendereihe
Gestaltung
- Christa Nebenführ