Luigi Nono 1970

Niederländisches Nationalarchiv/Public Domain

Sound Art: Zeit-Ton

Luigi Nonos ideologisch motivierte Kunst

Nur aus Zufall Musiker: Zum 100. Geburtstag des politisch denkenden und handelnden Komponisten.

Mit Luigi Nono starb 1990 einer der letzten dezidiert politischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Der Italiener war mit dem Widerstand gegen die Diktatur Mussolinis und als späteres Mitglied der Kommunistischen Partei früh mit der Macht unterschiedlicher Ideologien in Berührung gekommen. Der überzeugte linke Humanist setzte mit seinen Kompositionen, oft unter Verwendung von literarischen Texten, starke inhaltliche und musikalisch Zeichen. So etwa in seinem "Il canto sospeso" für Solisten, Chor und Orchester aus dem Jahr 1956, für das Nono letzte Briefe von zum Tode verurteilten jungen Frauen und Männern aus dem europäischen Widerstand während des Zweiten Weltkriegs vertonte.

Sein vierzigminütiges Streichquartett "Fragmente, Stille - An Diotima" (1979) hat, in seiner unvergleichlichen Intensität, die um die Stille kreist, Kultstatus im Repertoire nach 1950. Mit seinen Konzerten für Arbeiter setzte der Venezianer bewusste Aktionen, um die neue Musik aus ihrer elitären Abgrenzung zu holen. Für sein Stück "La fabbrica illuminata" (1964) dokumentierte Nono die Arbeit in einer Stahlfabrik, nahm den Lärm der Maschinen auf und gestaltete daraus eine Tonbandcollage mit einem Solo für Sopran. Im Bereich der elektronischen Musik experimentierte er von Beginn an, erforschte die Möglichkeiten räumlicher Effekte und setzte diese künstlerisch um.

Mit den zwei szenischen Aktionen, "Intolleranza 1960" und "Al gran sole carico d'amore", widmete sich Nono ebenfalls seinem großen Lebensthema - der Toleranz, der Solidarität und dem Klassenkampf. Denn er sei nur zufällig Musiker, sagte Luigi Nono 1970, sein eigentliches Anliegen sei der Kampf gegen Faschismus und Imperialismus.

Als Teilnehmer der Darmstädter Ferienkurse nach dem Zweiten Weltkrieg, mit Pierre Boulez und Karlheinz Stockhausen, war Luigi Nono einer der einflussreichsten Komponisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Seine Frau, Nuria Schönberg-Nono, initiierte und leitet das Archivio Luigi Nono in einem aufgelassenen Kloster auf Guidecca, der Venedig vorgelagerten Insel, auf der er mit seiner Familie gelebt hat.

Am 29. Jänner 2024 jährte sich sein Geburtstag zum 100. Mal.

(Wiederholung vom 29. Jänner 2024)

Sendereihe

Gestaltung

  • Marie-Therese Rudolph