Im Fokus - Religion und Ethik

Der Heilige Geist

Eine Dimension menschlicher Erfahrung

"Heiliger Geist" - manche zucken zusammen oder verdrehen die Augen, wenn sie diesen Begriff hören. Er scheint überhaupt nicht in unsere moderne Welt zu passen. Vielleicht auch deshalb, weil man sich darunter etwas Bildliches vorstellt, eine herabstürzende Taube oder Feuerszungen, wie es die christlichen Ikonographen vielfach dargestellt haben. Oder man befürchtet, hier werde nun der rationale Diskurs verlassen und mit dem Geist eine metaphysische Konstruktion aus dem Hut gezaubert, ein Mythos, mit dem man Nichtreligiöse mangels an guten Argumenten schachmatt setzt.

Geist ist ein Phänomen, das Menschen aus ihrem Leben kennen. Ursprüngliche Erfahrungen, Erkenntnisvorgänge, Wandlungs- und Reifungsschritte des Menschen sind Vorgänge, bei denen Geist und Geisterfahrung eine große Rolle spielen. Geist ist aber auch ein Begriff der Religion und Philosophie. Philosophen wie Friedrich Schleiermacher sprechen vom "Gemeingeist". Friedrich Hölderlin nennt ihn die "gemeinschaftliche Gottheit" und Ludwig Feuerbach den "Gott der Ich und Du und uns verbindet". Die Religion spricht vom Heiligen Geist als einer Erfahrungsweise Gottes. Das hebräische Wort für den Geist "Ruah" ist weiblich. Ein Grund, weshalb die evangelische Theologin Dorothee Sölle es demonstrativ mit "Geistin" übersetzt. "Ruah" kann auch mit "lebensspendender Atem" bzw. "Atmung" übersetzt werden. Wovon ist die Rede, wenn vom (Heiligen) Geist gesprochen wird? Unterscheidet er sich von profanen Geisterfahrungen? Wenn ja, wie? Wie erfahren wir Geist heute in unserem Alltag?

Sendereihe

Gestaltung