Rudolf Steiner, 1916

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Gedanken für den Tag

100 Jahre nach Steiners Tod - was ist geblieben?

von Dirk Schuster, Religionswissenschafter.

Vor 100 Jahren starb Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie und der Waldorfpädagogik. Für seine Zeitgenossen war er eine Art okkulter Führer, Visionär, Versteher und gleichzeitig Menschenfänger, Scharlatan und Hochstapler.

Doch wie sieht es heutzutage aus? Wer sich nicht unmittelbar in anthroposophischen Kreisen bewegt oder eine wie auch immer geartete Verbindung zu Waldorfeinrichtungen hat, dem wird der Name Rudolf Steiner heutzutage kaum noch etwas sagen.

Innerhalb der anthroposophischen Szene sieht das natürlich ganz anders aus. Da gibt es jene Dogmatiker, für die Steiner noch immer das Maß aller Dinge ist und dessen Schriften unwiderlegbare Wahrheiten darstellen. Diese Anthroposophen sind es auch, die das Bild in der Öffentlichkeit prägen. Die sich lautstark zu Wort melden, wenn sich jemand nicht in der Form über die Anthroposophie äußert, wie sie es gerne hätten. Oder wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen - seit 2017 gab es bereits drei Klagen gegen den österreichischen Staat, weil die Waldorfschulen mehr staatliche Zuschüsse einfordern.

Jene Dogmatiker sind es auch, welche die Anthroposophische Gesellschaft leiten, eine Organisation, die mittlerweile strukturell überaltert ist und wie viele Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften in Europa einem kontinuierlichen Rückgang ihrer Mitgliederzahlen gegenüberstehen.

Auf der anderen Seite ist die Anthroposophie lebendig und agil, wenn man sich die gelebte Praxis anschaut. Waldorfschulen, biologisch-dynamische Landwirtschaft, Naturkosmetika - überall stoßen wir auf das Erbe Rudolf Steiners. Für nicht wenige Anhänger und Sympathisanten ist Steiner inspirierend, aber mehr auch nicht. Wo es gebraucht wird, sucht man sich Versatzstücke aus Steiners Schriften heraus und integriert diese innerhalb des eigenen Glaubenssystems. Die Individualisierung des Glaubens macht 100 Jahre nach dessen Tod auch vor einem Rudolf Steiner nicht mehr Halt.

Service

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Paul Desmond/1924 - 1977
Album: JAZZ SAMPLER VOLUME 1
Titel: Take five/instr.
5
Ausführende: Dave Brubeck Quartet
Ausführender/Ausführende: Dave Brubeck /Piano
Ausführender/Ausführende: Paul Desmond /Saxophon
Ausführender/Ausführende: Joe Morello /Drums
Ausführender/Ausführende: Eugene Wright /Bass
Länge: 01:00 min
Label: CBS 4509792

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