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Radiokolleg
Muss Neid negativ sein? (1)
Von Abhängigkeiten und Bedürfnissen
14. April 2025, 09:05
Neid hat wirklich keinen guten Ruf. Oder würden Sie offen zugeben, dass Sie etwas haben wollen, was jemand anderer besitzt, kann oder ist? Das schöne Haus, der übergroße Garten, der gutbezahlte Job oder der neue adelige und weltberühmte Partner können dem ungeliebten Nachbarn, dem nahen Verwandten oder dem eigentlich selbst nicht bekannten Prominenten in der Zeitung beim Friseur oder in der Story auf Instagram ja nicht zugeflogen sein - da muss etwas nicht mit rechten Dingen zugehen. Oder ist in mir selbst etwas falsch?
Woher kommt Neid? Es beginnt mit der ersten Bindung zu den Eltern, im speziellen zur stillenden Mutter. Durch die physiologische Spannung des Hungers entsteht ein Drang, dessen Quelle im Verdauungstrakt liegt. Die Muttermilch, nicht die Brust, befriedigt dieses Begehren. Wenn das Nahrungsbedürfnis befriedigt ist, strebt der Säugling nach Wiederholung. Was aber wenn ein weiteres Geschwister dasselbe begehrt oder das Stillen, aus welchen Grund auch immer, nicht möglich ist? Erinnern Sie sich an ein zorniges Kind, das nicht bekommt, was es will. Oder erinnern Sie sich an den Satz "Schling nicht, sonst erstickst Du" - so haben wir alle gelernt, was Gier bedeuten kann, nämlich nicht weniger als den eigenen Tod. Jedes Individuum muss eigenständig lernen, Neidgefühle zu tolerieren und in sein Handeln zu integrieren. Die Akzeptanz des Neids ist ein menschlicher Imperativ. Wenn Neid aber nicht verarbeitet werden kann - durch soziale und gesellschaftliche Umstände - kann er zur destruktiven Kraft werden: Zerstörerisch, mörderisch oder kriegerisch.