Bunte Glitzerpailetten

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Radiokolleg

Faszination Kitsch (1)

Kitsch und Alltag

Kitsch!? Kann sein - aber wieviel oder besser dann doch nicht? Kitsch "steht zumeist abwertend als Synonym für etwas, das unnötigerweise Gefühle oder Sehnsüchte wachruft." Sagt jedenfalls Wikipedia. Damit grenzt das eine K-Wort fatalerweise an das zweite K-Wort, K wie Kunst.

Aber passiert die - zitiert nach Adorno - "Verkennung ästhetischer Sinnzusammenhänge" wirklich so ahnungslos, beiläufig und unnötig wie suggeriert - oder steckt ein unausweichliches menschliches Phänomen dahinter? Ist Kitsch durchgängig verachtenswert? Oder brauchen wir ihn gar als Schmiermittel des Alltags und Anti-These zum ewig Guten & Schönen? Dieser "Radiokolleg"-Vierteiler geht Fragen wie diesen nach.

Gesprächspartner einer legeren Erkundung des Kitsches sind u.a. der Philosoph Konrad Paul Liessmann, der Musikkritiker und Feuilletonist Thomas Kramar sowie Kulturmanager Fabian Burstein und die Schriftstellerin und Malerin Julya Rabinowich.

Von Ramsch und röhrenden Hirschen. Kitsch beherrscht unzweifelhaft unseren Alltag, aber sehen wir ihn überhaupt noch? Ist er sofort identifizierbar? "Kitsch liegt im Auge des Betrachters", hört und liest man oft. Freilich entzieht er sich nicht einer ästhetischen Kategorisierung und Bewertung, im Gegenteil. Es gibt sogar die feinsinnige Unterscheidung zwischen "gutem" und "bösem" Kitsch - vor allem in der Populärkultur, die ja willentlich mit Stereotypen, Klischees und Konventionen spielt. Bleibt die Frage: was ist Kitsch eigentlich? Existiert er nur an den Grenzen des - auch so ein ominöser Begriff! - guten Geschmacks? Ist er nur negativ konnotiert? Oder können wir ihm auch positive Seiten abgewinnen?

Service

Radiokolleg-Podcast

- Fabian Burstein, "Empowerment Kultur - Was Kultur braucht, um in Zeiten von Shitstorms, Krisen und Skandalen zu bestehen" (Edition Atelier 2024)
- Franziska Beyer, "Das Dogma der reinen Kunst - über Clement Greenbergs "Avantgarde and Kitsch" (Grin, 2005)
- Norbert Elias, "Kitschstil und Kitschzeitalter" (Lit, 2003)
- Johannes Franzen, "Wut und Wertung - Warum wir über Geschmack streiten" (S. Fischer, 2024)
- Konrad Paul Liessmann, "Kitsch - Warum der schlechte Geschmack der eigentlich gute ist" (Brandstätter, 2002)
- Ruth Mätzler, "Kitsch und Perversion. Was sich hinter der Fassade sentimentaler Inszenierungen verbirgt" (Müry Salzmann, 2019)
- Marina Schwarz (Hg.), "Das verdächtig Populäre in der Musik. Warum wir mögen, wofür wir uns schämen." (Springer, 2021)

Sendereihe

Gestaltung

  • Walter Gröbchen